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LIV KRISTINE - Vervain14.11.2014

LIV KRISTINE - Vervain

LIV KRISTINE - Vervain

verfasst von Robert H.

Liv Kristine Espenæs Krull, wie die gebürtige Norwegerin seit ihrer Hochzeit mit Atrocity´s Alexander Krull mit vollem Namen heißt, ist mit Sicherheit jedem von euch schon einmal durchs Trommelfell gegangen. Ob als Solokünstlerin, Sängerin der Bands Leave´s Eyes oder Theatre of Tragedy oder als Gastsängerin bei etlichen weiteren Künstlern, darunter Gruppen wie Atrocity, Delain oder Týr, die hübsche Blondine hat schon unzähligen Stücken ihren weichen Sopran geliehen. Liv Kristine gilt als eine der Wegbegründerinnen für den ?the beauty and the beast?-Aufbau, also einen zarten, "himmlischen" Frauengesang, welcher von harten, männlichen Growls oder aggressivem Gesang konterkariert wird. Ich persönlich hatte meine erste musikalische Begegnung mit Liv bei Cradle of Filth´s Gänsehautsong "Nymphetamine", welcher sich genau diesen Prinzips bedient. Bei "Vervain", ihrem 5. Soloalbum, verzichtet sie nahezu ausschließlich auf männliche Vocals. Lediglich beim zweiten Song "Love Decay" hört man einen männlichen Part, gesungen von Michelle Darkness (ja, das ist ein Mann ;-) ). Zusammen mit Doro Pesch, welche sich in "Stronghold of Angels" die Ehre gibt, sind diese beiden die einzigen Gastsänger auf der Scheibe, die restlichen Songs füllt Liv alleine mit Leben.

Die insgesamt 10 Tracks starke Scheibe überzeugt mit schönen Melodien, sowohl vom Gesang als auch von der hin und wieder schon symphonisch anmutenden musikalischen Begleitung. Vom Stil her würde ich das alles in der Symphonic Rock-Schublade mit etwas Gothic und nem Schuss Metal einordnen, wobei es bei dem ein oder anderen Gitarrensolo auch mal ein wenig in Richtung Hard Rock gleitet. Insgesamt ist das eine gefällige Mischung. Wie immer beim härteren Rock mit weiblichem Gesang werden Assoziationen zu Nightwish oder Within Temptation geweckt - im Vergleich zu diesen sind die Songs aber etwas ruhigerer Natur.

Das bereits erwähnte "Stronghold of the Angels" kommt als kraftvolle Powerrock-Ballade, bei der sich Doros rauhe Stimme im Duett hervorragend mit der von Liv ergänzt. Die folgenden Songs "Hunters" und "Lotus" sind ebenfalls gut gelungen, wobei vor allem zweiterer durch gedoppeltes Herzschmerz-Gitarrensolo für Gänsehaut sorgt. Mit Joacim Cans an den Vocals würde die Nummer auch als Power-Ballade durchgehen.

Anschließend kommt mit "Elucidation" wieder ein wenig mehr Tempo dazu, insgesamt bleibt es aber auf dem getragenen Midtempo-Niveau, welches das gesamte Feeling der Platte bestimmt. Zum härteren Abgehen ist das hier offensichtlich nicht gedacht, erwünscht ist eher andächtiges Lauschen.  Die Songs sind ausgesprochen gradlinig konzipiert und überraschen vom Aufbau her äußerst selten. Da aber die Melodien wirklich schön sind und man sich so voll auf diese konzentrieren kann, fällt dieser Umstand nur bedingt ins Gewicht.

Unterm Strich legt Liv Kristine mit "Vervain" eine sehr atmosphärische Scheibe vor, welche von dem schönen Gesang getragen wird und eher zum Träumen als zum Tanzen anregt.

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