Review

LEPROUS - The Congregation19.05.2015

LEPROUS - The Congregation

LEPROUS - The Congregation

verfasst von Jana W.


Endlich ist es da, und wir haben ja nun wirklich lange genug gewartet. Eine Woche ist es noch hin, bis das neueste Stück von LEPROUS, The Congregation erhältlich ist. Nach zwei Demos seit der Gründung in Jahr 2001 folgten drei großartige Alben der Band, die die Erwartungen an das Neueste wirklich hoch angesetzt haben, und die zwei Jahre Wartezeit steigerten die Vorfreude noch weiter. Nun darf gesagt werden, diese Platte ist ganz anders als ihre Vorgänger. Auch die vorherigen Alben besaßen einen eigenen, einzigartigen Sound, wie ihn kaum eine Progressive Metal Band vorher kreiert hat. Zwar besitzt jedes Album einen klar erkennbaren Sound der Bands, aber sie alle klingen von Grund auf Unterschiedlich, und The Congregation folgt diesem Beispiel.

Tatsächlich könnte der Sprung vom letzten Album zu The Congregation der bisher größte stilistische Schritt von LEPROUS sein. In früheren Kompositionen zeichnete sich die Band durch komplexe musikalische Konstrukte, durch teils rasante Wechsel zwischen Rhythmen und Sounds, und durch einen der besten Sänger, den die Metalszene zu bieten hat. Die Komplexität, das überragende Können an den Instrumenten und der stimmgewaltige Sänger sind geblieben, aber die neue Platte ist um Einiges kontinuierlicher und stetiger, und so sehr die Sprunghaftigkeit und der Überraschungsmoment auf Coal oder Tall Puppy Syndrome auch zu überzeugen wussten, auf The Congregation werden sie zu keinem Zeitpunkt vermisst. Neben dem gewohnten jazzigen Einfluss der Band ist hier außerdem ein klarer Einschnitt des Post Metal zu hören, vor Allem erkennbar durch die partielle Dominanz instrumentaler Parts, der stimmungsvollen Atmosphäre des gesamten Albums, und durch den durchdachten, komplexen Aufbau der Stücke.
Ein absolutes Highlight des Albums auszumachen ist wahrlich nicht einfach, und dennoch sind The Flood und Slave heiße Kandidaten für diesen Titel. Dabei weist The Flood in seiner Struktur eine auffällige Ähnlichkeit zum auf dem vorherigen Album erschienenen The Valley auf. Der Song steigt ein mit einer ruhigen Melodie und ebenso ruhigem Gesang. Beides entlädt sich dann in einen gewaltigen, energetischen, emotionsgeladenen Refrain und einen Gitarrenriff nicht unähnlich des Klangs eines Herzschlags, der sich in der folgenden Strophe fortsetzt.

Strophen und Refrain bilden einen Kontrast wie er größer kaum sein könnte, in einem perfekten Zusammenspiel, und durchzogen von dem schlagenden Herz der Rhythmusgitarre. In The Slave bekommt man einige Songs später noch einmal die volle Bandbreite und Stimmgewalt des ohnehin schon überragend klingenden Sängers zu hören, und zwar in Form eines perfekt platzierten Screamingabschnitts in einen langen, komplexen Instrumentalpart hinein. Einar Solberg screamen zu hören ist auf The Congregation eine leider rar gesäte Gelegenheit. Umso mehr sticht es heraus, und setzt einen besonderen Akzent auf ebendiese Parts. The Slave ist zudem eins der stimmungsvollsten Stücke des Albums, obwohl die gesamte Platte mit Atmosphäre und Emotion geradezu geladen ist.

Zu viel soll noch nicht verraten werden, aber The Congregation ist sein Geld mehr als Wert. Insgesamt setzen LEPROUS mit dem Album auf einen stetigeren, weniger sprunghaften Sound als auf den vorangegangenen Alben. Zudem üben sie sich in großartigen, abgefuckten Rhythmen, formvollendetem Songwriting, komplexen Kompositionen, emotionsgeladener Performance und nicht zuletzt daran, aus ihrem neuen Drummer alles rauszuholen, was dieser zu bieten hat. Auf Screamingparts muss man hier größtenteils verzichten, die ganze Bandbreite des gesanglichen Talents bekommt man aber dennoch zu Hören.

Fazit: LEPROUS steigern sich von grandios zu absolut phantastisch. Die Kontinuität und das ruhigere Gesamtbild von The Congregation steht der Band ebenso gut wie die früheren, sprunghafteren und hektischeren Alben, die Energie und Emotion ist die gleiche, nur eben anders verpackt. Der neue Drummer der Band performt hier mit Höchstleistung, und die Stimme des Sängers und Keyboarders ist überwältigend wie eh und je.

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1032