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LAMB OF GOD - VII: Sturm und Drang03.08.2015

LAMB OF GOD - VII: Sturm und Drang

LAMB OF GOD - VII: Sturm und Drang

verfasst von Karla the Fox

Es gibt so Bands, die sind der Grund warum ein guter Teil der Menschheit sagt 'Ich höre alles an Musik, außer Heavy Metal' und warum ein anderer Teil das absolut nicht verstehen kann und Metal im Kontrast dazu liebt. Lamb of God gehören zu dieser Spezies. Für den Ottonormalverbraucher ist diese Musik Krach. Unverständlich, unmelodisch, manchmal sogar unharmonisch, viel zu hart, hektisch und aufwühlend,... - ja, stimmt. Die Möger und Kenner auf der anderen Seite suchen sich akribisch die Stories, die hinter der Musik stecken. Man schlägt ja nie grundlos seine Trommel zu Kleinholz, da müssen Emotionen dahinter stehen. Lamb of God fassen den ganzen Wust an Emotion in zwei Wörtern zusammen, die ursprünglich eine Kunstepoche bezeichnen: Sturm und Drang. (VII steht für das 7. Album ihrer Diskographie).

Sturm und Drang, da steckt doch schon drin, dass es aufwühlend ist. Und Tatsache, ein entspannter Hörgenuss ist die Musik von Lamb of God nicht. Die Stimme von Fronter Randy will mir einfach nicht gefallen und dieses arme, arme Schlagwerk... doch genauso intensiv faszinieren mich die Absichten der Band. Die Gedanken hinter Sturm und Drang, und auch jedem anderen Ton, den sie je gespielt haben, sind ein Wunderwerk. Wer's nicht versteht (wen wunderts bei der Aussprache), der darf es gerne im Booklet oder auf der Homepage der Band nachlesen. Mit viel Sorgfalt haben sich die Songwriter zusammengesetzt, gemeinsam geschrieben und in ihren brachialen Tönen Geschichten über wahres menschliches Leid verpackt, über all die Situationen, die so intensiv sind, dass man sie sich in einem normalen Leben nicht vorstellen mag - doch sie kommen. Ganz plötzlich. So wie ungerechtfertige politische Verfolgung, mit der keinesfalls zu spaßen ist oder einfach Zeit im Gefängnis, die mit den Gedanken merkwürdige Dinge anstellt. Sie versetzen die Seele in Stimmungen, die nur durch rohe Musik ausgedrückt werden können. Da darf man auch bloß nicht zu früh abschalten, sind unter den schnellen Rhythmen und harten Gesänge doch auch klare Gesangslinien verborgen, einfühlsam und belebend. Unterstützt von Chino Moreno ("Embers", Deftones) sowie Greg Puciato ("Torches", The Dillinger Escape Plan) bewirken Lamb of God wahrlich Großes. Aber auch ohne diese beiden in den wohl schönsten Liedern des Albums, wissen die Ausreißer des Sounds in alle Stilrichtungen zu gefallen. Oder meint ihr nicht, dass die Gitarren mit der Punk und Metalcore-Schiene flirten? Oder dass die Rhythmussektion den Helden des Thrash Konkurrenz machen könnte was das Talent im Halten ihrer Beats betrifft?

Gruselig, monumental, hart, überwältigend, im Guten wie im Schlechten Sinne, es gibt viele Wörter, um Sturm und Drang zu beschreiben. Die übrige Kunst aus dieser Epoche ist nicht viel anders. Es ging darum, aus den gewohnten Bahnen zu brechen. Skulpturen müssen nicht immer lebensgetreu oder gar für jedes Auge ästhetisch sein. Bei der Kunst geht es darum, seine inneren Dämonen frei zu lassen, wie auch immer diese im Einzelfall aussehen. Lasst euch also, wenn ihr es nicht ohnehin schon mögt, auf das Schaffen von Lamb of God ein. Glitzerparty ist wann anders, mit dem Fuß zucken und headbangen kann man zu den Songs aber mega gut, wenn man möchte. Wer von nichts wusste, der dürfte hoffentlich nach meiner gespaltenen Meinung neugierig geworden sein.

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