Review

KYROS / SYNAESTHESIA - Beta13.10.2015

KYROS / SYNAESTHESIA - Beta

KYROS / SYNAESTHESIA - Beta

verfasst von Karla the Fox

Es waren einmal zwei junge studierende Musiker, die saßen zusammen im Studio in London und gründeten das Projekt Synaesthesia. Als solches spielten sie ein paar Demos ein. Das gefiel ihren werten Mitmusikern und das Projekt wuchs zu einer Band heran. Dann aber stieg der anfängliche Mitgründer Nikolas Jon aus und Adam Warne blieb als Gründungsmitlgied und Kopf der Band allein zurück, mit einer hochmotivierten und noch begabteren Gruppe aus Musikern, die seiner Meinung nach aber nicht mehr viel mit dem anfänglichen Projekt zu tun hatten. Also beschlossen sie gemeinsam, sich umzunennen, nämlich zu Kyros. Da sie noch unter ihrem alten Namen bekannt waren, gingen sie noch als Synaesthesia angekündigt mit Spock's Beard auf Tour durch Europa, kündigten jedoch in der Mitte dieser Tour auf Facebook ihre Namensänderung an und vertrieben bereits unterwegs ihre Übergangs-EP Beta an die geneigten Fans. Auf dieser sind 3 frische Songs, mit denen sich Kyros in der Konstellation, wie sie zur Zeit auf der Bühne stehen, und auch im Studio, vorstellen. Die anderen drei Lieder stammen aus alten Zeiten. Adam spielt darauf das Keyboard, den Bass und die Drums, und gibt außerdem seinen Gesang zum besten. Man kann es also fast als Soloaktion betrachten. Einzig die Gitarre wurde von Nikolas gespielt.

Der Stil an sich wird nicht großartig anders, es bleibt spaciger Progressive Rock, der für das junge Alter der Musiker erstaunlich reif geworden ist. Der Sound auf den neueren Stücken ist dann aber doch fetter und ausgereifter als die ersten Übungen, die Adam und Nikolas zu Tonband gebracht haben. Fakt ist, dass wir es hier mit phänomenalen vielversprechenden Musikern zu tun haben. Ich will nicht wissen, wie komplex ihre Kompositionen werden können, wenn sie erst mal jahrelange Berufspraxis gesammelt haben. Von leise auf laut, von schnell auf langsam, nichts, was sich in den Vordergrund schiebt und dem Rest die Show stiehlt, nur gut durchdachtes und aufeinander abgestimmtes Musizieren auf hohem Niveau. Wie gesagt, bei den neueren Stücken unter der Kyros-Flagge noch mehr als bei Synaesthesia, als der Stil noch spürbar neu war für die Jungs.
Wer diese EP kauft, unterstützt damit nebenbei die Produktion des neuen Albums Vox Humana. So eine Produktion kostet immerhin massig Geld und die Wege von Giant Electric Pea und Kyros haben sich 'leider' vor kurzer Zeit getrennt. Zu große kreative Differenzen.

Live, so kommt es mir vor, liegt noch weniger Fokus auf Adams Vocals und mehr auf dem Spiel jedes einzelnen, mit stark in die Länge gezogenen Shownummern. Auf dem Album, wo der Rahmen begrenzt ist, nähert sich die Songstruktur fast einem normalen Rocksong an, zwischen dreieinhalb und siebeneinhalb Minuten Länge und mit sehr präsenten Vocals und klar aufteilbaren Tracks. Die Songs zeichnen sich des Weiteren durch anspruchsvollen aber nachvollziebaren Inhalt aus. Im Interview verrieten Kyros, dass die früher Songs autobiografischer waren als es auf dem kommenden Vox Humana sein wird. Darin wird es um einen Jungen gehen, der sich einen humanoiden Roboter als Freund baut. Ein bisschen abgespacet also, ein komplexe strukturelle Leistung und doch viel Abenteuer und die Phantasie vieler jungen Männer - in Kurzform also doch wieder ein Abbild der Band. Man kann sie ja schon beneiden, dass Prof Rocker mit Snythies spielen dürfen, ohne dadurch den Ruf der verkünstlichten Popmusiker zu bekommen. Das 'Instrument' bietet so gute Möglichkeiten... Zu hören sind diese auf Beta. Das Finale 'When The Clock Strikes Twelve' bietet hierfür gutes Anschauungsmaterial.

Nein, ganz im Ernst: Kyros haben mich live sehr beeindruckt, fast noch mehr als der Hauptact des Abends. Sie haben es verdient, ein jüngeres Publikum zu gewinnen als es bisher der Fall ist. Um bei Floskeln zu bleiben: Wer es nicht mag, ist nur neidisch, dass er nicht das kann, was sie können.

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