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IN LEGEND - Stones of Goliath14.11.2014

IN LEGEND - Stones of Goliath

IN LEGEND - Stones of Goliath

verfasst von Karla The Fox


Crowdfunding ist der neue Trend, wie Bands das nötige Geld für teure Studioproduktionen zusammenkratzen wollen. Ihnen wird dann oft vorgeworfen, die Knete zu erbetteln, unverdient, sich von den gutmütigen Fans sponsern lassen. Das stimmt so nicht. Für jeden Beitrag erhält man eine Gegenleistung. In Legend haben mit ihrer Aktion auf Pledge-Musik bewiesen, dass Musiker auch außerhalb des Songwritings vor Kreativität sprühen: Ihre Gegenleistungen beinhalteten neben den Klassikern wie Autogrammkarten und Namensnennung im Programmheft auch unterschriebene benutzte Backdrops, Privatkonzerte auf Housepartys, dass man den Proberaum fegen darf (und sie demnach privat bei Üben erwischen dürfte) oder auch ein veganes Dreigängemenü für bis zu vier Personen, hausgemacht von einem der Bandmitglieder. Kein Wunder, dass sie über das Doppelte von dem eingenommen haben, was sie sich als Ziel gesetzt hatten.

Welche Musik unterstützt man denn nun damit? In Legend nennen sie "Hand Hammered Piano Craft/ Rock" - sprich, sie spielen Rockmusik ohne dabei eine einzige Gitarre zu verwenden, wenn man den Bass nicht mitzählt.

Geht nicht? Geht wohl! Bandleader Bastian Emig (der beim Songwriting scheinbar bevorzugt Wein trinkt) hat es geschafft, ganze 14 Songs für ein einziges Album zu schreiben, die in ihrem Charakter fast alle unterschiedlich sind. Unterstützt werden In Legend in ihren, man kann sagen epischen, Aufnahmen von drei verschiedenen Chören (einem Gospelchor, einem Kinderchor und einem "Metal Acapella Chor"), den Streichern Henriette Mittag und Benni Cellini, den man von Letzte Instanz kennen könnte, sowie einer chilenischen Sängerin namens Laura Vargas Contador. Eine ganze Menge Leute, die an einer ganze Menge Musik arbeiteten, die auch eine ganze Menge Eindruck macht. Emotional, echt, musikalisch komplex, mit der Atmosphäre eines klassischen Konzerts und den Texten und dem Style des Heavy Metals - das ist Stones of Goliath.

Das erste Album der Band hieß Ballads ´n´ Bullets und erntete bereits großen Zuspruch. Seitdem hat die Band noch einen weiteren Pianisten gewonnen, was für noch fetteren Sound sorgt. Auf der Bühne spielt einer der drei Tastenkünstler Keytar, ein Keyboard, das man wie eine Gitarre hält. Auch auf Stones of Goliath finden sich wieder "Ballads" und "Bullets", also langsamere und schnellere Musikstücke. Bastians Stimme mit den Chören kann dabei aus jedem Thema ein welttragendes Ereignis machen.

Besondere Highlights sind "Lonely", welches vermutlich von dem Kinderchor unterstützt wurde, das politische Statement "King of Apathy" sowie das atemberaubend atmosphärische "The Voodoo Girl", bei dem der Sänger zeigen kann, wie tief seine Tonlage gehen kann.

Natürlich gibt es bei einem Album mit 14 Songs hier und da Füller und In Legend kommen auch nicht an Popelementen vorbei. Macht im Gesamtkonzept gar nichts. Stones of Goliath ist, wie der Name schon sagt, der Angriff einer kleinen Band auf die ganz große Musikwelt mit noch größeren Gefühlen. Sag noch mal einer, Rocker seien böse - den mach ich mit diesem Album kalt...

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