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HAMMERCULT - Built For War26.07.2015

HAMMERCULT - Built For War

HAMMERCULT - Built For War

verfasst von Karla the Fox

Wer hat in der Schule gut aufgepasst? Derjenige kann mir sicher verraten, warum es einen Hauch makaber ist, dass ich heute direkt nebeneinander die Rezensionen zu Nashville Pussy und Hammercult aufgelistet habe. Man muss dazu wissen, dass Hammercult eine Band aus Isreal sind, die fast autobiographisch mit ihren Songs über den ziellosen Krieg berichten, der um ihre Gegend herum herrscht. Das ist mutig, das muss man ihnen zusprechen. Anders als die in dem Kontext oft kritisierten Sabaton wissen Hammercult, wovon sie sprechen. Umso bemerkenswerter ist, dass sie trotzdem ein gesamtes Album der Kriegsführung widmen, und das nicht zimperlich. Wer genau hinschaut, entdeckt die von Hochhausruinen baumelnden Leichen auf dem Coverart von Built For War. Wie Thor schwingt der gehörnte Krieger einen Hammer und zusehen tut ihm dabei eine in Fetzen gehüllte Frauenfigur. Welche Sitte wird mit diesem Bild bitte nicht gebrochen? Ich glaube, da liegen sogar Leichen und abgetrennt Köpfe im Vordergrund. Hilfe.

Mein Ding ist dieser Stil von vorne herein nicht. Egal, wer oder was ihn produziert. Alles nordische, keltische, mythologische in der Metalmusik beinhaltet immer viel Tod und Zerstörung. Israel passt nicht mal in diese geographische Muster, aber da besteht eine Ähnlichkeit in der Musik. Bei Liedern über Schlachten gibt es viele Gratwanderungen. Für Hammercult besteht meiner Meinung nicht die große Gefahr, von diesem Grat abzurutschen. Ihre Songs sind häufiger Moshpit-verherrlichend als alles andere. Wenn es doch um die ernste Gefahr geht, sagt die Band selbst, sie lege mit Absicht den Finger in die Wunde. Um zu zeigen, wie weit sie offen klafft? Es gibt sogar explizit sozialkritische Töne in "Spoils Of War". Manche Leuten werden durch den Kampf direkt 'verwöhnt' weil sie durch Waffenhandel und ähnliche Geschäfte gut verdienen. Die Absichten von Hammercult sind also zu loben. Und doch bleibt immer ein flaues Gefühl, wenn man vom Leid so vieler Menschen alleine abends in seinem Zimmer hört. Es macht nachdenklich. Bildungsauftrag erfüllt.

Ich mag eindeutig den vom Power und Speed Metal berührten Thrash, es ist sehr vielseitig und mit Liebe komponiert. Sehr gelungen sind auch die Gesänge, gerade wenn sie mehrlagig wie Chöre auftreten. Hammercult setzen sich selbst einen hohen Anspruch. Die meisten Tracks sind sehr schnell, da darf die Rhythmussektion nach Herzenslust lospowern. Der erste richtige Song "Rise Of The Hammer" ist eine schöne Hymne mit 'Sogwirkung'. Was folgt, ist meist hyperaktiv, manchmal auch gesetzter und von vorne bis hinten pathetisch. Ich fürchte, ich müsste es mir hundertfach anhören um die Details zu entdecken, geschweige denn jedes Wort zu verstehen und richtig deuten zu können.

5 Männer, 13 Songs, auf der rot eingefärbten Vinyl ein Bonuslied, das Slayer Cover "Evil Has No Boundaries" - all das ist Built For War. Ihr solltet es euch anhören, alleine schon um einen neuen Sichtwinkel kennen zu lernen auf eine Gegend, die leider noch immer vom Krieg beplagt ist, ohne dass irgendjemand weiß, was wirklich los ist. So ein Song hat immerhin einen klaren Beginn und ein klares Ende. Er tut niemandem (körperlich) weh. Songs Wie "I Live For This Shit" brechen den Ernst auf und feiern das Leben als Band, mit dem Exzess und den Fans und so weiter und so fort. Recht haben sie, Kultur sollte stärker sein als Materialisches. Die musikalischen Qualitäten der Band sind hoch. Somit ist es schwierig zu sagen, was ich unterm Strich von der Platte halte. Ich versuche es mal einem Fazit:

Für Freunde der Thrash und Powerklänge ein Vergnügen. Für die Softeren unter uns zu anstrengend. Thematisch eine nicht einmal zwiespältige sondern sehr komplizierte Angelegenheit. Eine Band, die definitiv interssant ist. Auf alle Fälle das krasse Gegenstück zu den Nashville Pussies, in jeder Hinsicht. Mehr weiß ich leider nicht zu sagen.

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