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EXIT EDEN - Rhapsodies In Black27.07.2017

EXIT EDEN - Rhapsodies In Black

EXIT EDEN - Rhapsodies In Black

verfasst von Kalle

Hier kommt ein Album, welches die Musikgemeinde spalten wird. Die Einen werden es in der Luft zerreisen und kompletten Unsinn finden, die Anderen werden großen Gefallen haben, an dem was die vier Powerstimmen hier präsentieren. Exit Eden besteht aus vier Frauenstimmen und Musikern. Die Damen sind bekannt, doch die Musiker dahinter leider nicht. Bekannteste Stimme dürfte Amanda Somerville sein. Sie kennt man durch Epica, Kamelot, Avantasia und ihre eigene Band Trillium. Sie hat auch schon bei vielen anderen Projekten mitgewirkt. Anna Brunenr ist weniger bekannt, hat aber dennoch ein ordentliche Organ. Die Brasilianerin Marina La Torraca ist ebenfalls durch Auftritte mit Avantasia bekannt. Sie hat in New York studiert und spielet in Musicals mit. Die Vierte im Bunde ist die Französin Clémentine Delauney. Ihre Stimme kennt man u.a. durch Visions Of Atlants oder Serentiy. Nun vereinen sich diese vier Stimmen auf einem Album mit elf Tracks.

Allerdings habe ich ja geschrieben, das Album wird spalten. Das liegt an den Songs, die auf der Platte zu finden sind. Eigene Stücke sucht man vergebens, stattdessen bekommt ihr elf Coversongs. Ich persönlich finde es bei vielen Songs durchaus interessant, wie sie in einer anderen Version klingen würden. Bei ein paar der ausgewählten Songs auf dem Album hätte ich persönlich die Finger von gelassen, da diese im Original zu gut sind. Andere widerum gefallen mir im neuen Gewand sehr. Das Interessante an der Songauswahl ist, über wieviele Epochen sie gegangen sind.

Den Anfang macht "Question Of Time" von Depeche Mode. Der Track kam 1986 heraus und zählt zu einer der Klassikern von Depech Mode. Ich hätte mir persönlich den Song nie in einer anderen Version vorgestellt, allerdings finde ich die Version von Exit Eden passender zum Song. Fragt mich nicht warum, aber diese Power in den Gitarren, das epische durch die Keyboards und diese opernartigen Stimmen passen wie die Faust aufs Auge. Mit "Unfaithful" von Rihanna geht es dann weiter. Ein Song den ich als Ballade sehr cool finde, allerdings hauen Exit Eden hier doch mehr Kraft und Tempo dahinter und nehmen das Gefühl aus der Nummer. Da was Rihanna im Original macht, das bringt Gänsehaut. Den Song hätte man durchaus die Finger von lassen können. Zumal an manchen Stellen die Stimmen etwas blechernd klingen, als hätte man die Aufnahme aus dem Studio noch einmal im Studio sepperat aufgenommen und drauf gepackt. Sehr merkwürdig, klingt die Platte sonst doch gut produziert.

Der nun dritte Track der Platte ist bestimmt so eine typische Wunschgeschichte der Mädels geworden. Groß geworden mit Boygroups dürfen die Backstreet Boys nicht fehlen. Ihren Song "Incomplete" haben sich die vier Damen vorgenommen. Und jetzt das erstaunliche... hier behalten sie das Gefühl und die Message im Song bei. Es kommen richtig Gefühl usw. rüber und der Song ist mit den Streichinstrumenten sehr gut in Szene gesetzt. Die Version gefällt mir extrem gut. Hat so ein wenig was von Within Temptation. James Arthur sagte mir bis dato eigentlich gar nix und auch sein Song "Impossible" war mir irgendwie unbekannt. Man kann ja nicht alles kennen. Die Damen schien er gut gefallen zu haben und so haben sie ihn neu verpackt. Ist gut gelungen, wenn ich mir im Vergleich das Original anhöre.

Als ich den nächsten Track las, hatte ich erst die Befürchtung, man hat sich an den Soundtrack von "Die Eiskönigin" gewagt. "Frozen" ist aber aber, und das war zum Glück mein zweiter Gedanke, ein Song von der Queen Of Pop - Madonna. Und ganz ehrlich... hier hätten die Vier die Finger von lassen sollen. Frozen ist im Original so ein Kracher, den Madonna so mega geil rüber bringt. Es ist cool gemacht und diese düsteren Riffs mit den Opernstimmen fetzt schon irgendwie, allerdings mag ich das Original zusehr. Der nächste Song ist dann genauso spaltend. "Heaven" von Bryan Adams ist einer der grandiosesten Balladen und er mit seiner Stimme... das ist eine Herausforderung. Allerdings war ich dann überrascht, was hier draus gemacht wurde. Das hat schon was episches. Ein sanfter Aufbau und im Refrain direkt auf die Vollen. Die Mehrstimmigkeit kommt richtig gut rüber und daher bin ich dem Song nicht abgeneigt. Zumal mir diese kleinen Gitarrenzwischenspiele gefallen, die sich in der Tonart am Original orientieren.

Dann ist Zeit für Party und für eine Version, die ich so geil finde. Das Original von "Firework" stammt von Katy Perry und ist schon ne nette Version, mir aber zu poppig. Dank Exit Eden gibt es jetzt eine Version, die endlich mal mehr Pepp und Gitarre hat. Die gute Laune bleibt aber direkt erhalten und auch wenn der Song poppig klingt, so ist diese Version echt gelungen! Was die Damen zu "Skyfall" gebracht hat, das kann ich mir nicht erklären. Sind alles große Fans von James Bond oder von Adele, die den Song im Original gesungen hat. Wüsste man nicht, das es ein Original von Adele gibt, dann wäre dieser Song wie auf den Leib geschneidert für die Stimmen der Vier. Ich bin gespalten, finde es einerseits total geil gemacht, mit den Chören usw. aber vielleicht auch etwas too much. Ist so ein Track, wo man sich nicht entscheiden kann. Der Überraschungseffekt ist in jedem Fall da.

Diesen hatte ich dann beim Intro zum nächsten Song schon. "Total Eclipse" von Bonnie Tyler. Mir stockte etwas der Atem, weil das ist ein Song, das sich da jemand dran wagt ist mutig und gewagt. Gespannt lauschte ich dem Beginn, welcher den Song so langsam aufbaut und lies im Kopf immer das Original mitlaufen. Diese besondere Stimme von Bonnie mit dieser ganz besonderen Power. Exit Eden schaffen es aber mich zu überzeugen und bekommen den Song echt gut hin. Sie behalten diese ganz besonderen Stimmungen und Tempowechsel bei. Es hat etwas gedauert, aber der Song zündet. Eine Musikerin, die ich persönlich für viel zu überschätzt halte folgte dann. Lady Gaga und ihr Song "Paparazzi". Nach dem Spieluhr Intro ging es direkt in die harten Riffs und yeah.. ich dachte jetzt kommt die düstere Nummer und der Song wird so richtig fett abgehen. Hmmm... so ganz behilt ich mit meinen Gedanken nicht recht. Allerdings ist die Version hier um Längen besser als das Original. Das liegt speziell am Refrain mit den Opernstimmen. Das fand ich persönlich einfach nur gut. Das Gitarrensolo im Track ebenso. Da kann sich das Original mal ne Scheibe von abschneiden.

Der letzte Track des Albums spaltete mich wieder mächtig. Das Original von "Fade To Grey" stammt von Visage und ist aus dem Jahr 1980. Das ist so ein zeitloser Klassiker, das man da lieber die Finger von lassen sollte. Exit Eden haben es auf ihre Art probiert, sind aber an der Nummer gescheitert. Die Version gefällt mir leider so gar nicht. Die Screams statt dem eigentlichen rauchigem, wie aus dem Original, dazu diese doch sehr harten Riffs und Synthiklänge... hach ... schade. Das Akkordeon ist aber witzig im Track.

Die Platte ist interessant, gut produziert - bis auf die eine Ausnahme zu Beginn mit der Stimme - hat Potential, allerdings leider auch einige Songs, wo man definitiv keinen Finger dran verbrennen sollte. Es rockt, die Stimmen sind fantastisch und das Album hat Überraschungsmomente. Ich würde mir persönlich aber eher ein Album wünschen, welches eigene Songs der vier Stimmen hervorbringt. Denn diese harmonieren ausgezeichnet miteinander. Als Anfang von Exit Eden und zum austesten, wie diese Kombo bei den Leuten ankommt, ist das Album recht gut, manch Song klingt in deren Version besser als im Original, dennoch fühle ich mich sehr gespalten. Man muss die Platte auf sich wirken lassen und die Songs das ein oder andere Mal hören, gerne auch mit ein paar Tagen Pause dazwischen. Vielleicht ist die Platte wie ein guter Wein... mit den Jahren wird es besser, wobei der Grundstein schon sehr solide ist. Eine Empfehlung ist es, man muss sich aber auf Einiges einlassen. Dann kann man es sehr genießen.


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