Review

ENSIFERUM - One Man Army18.02.2015

ENSIFERUM - One Man Army

ENSIFERUM - One Man Army

verfasst von Kalle

Anschnallen und festhalten ist angesagt, denn hier kommt ein eisiger Wind aus Finnland. Drei Jahre hat es gedauert, bis Ensfierum jetzt ihr sechstes Album aufgenommen und produziert haben. Und diese Zeit hat sich mehr als gelohnt. Insgesamt warten elf satte Songs auf der normalen Edition auf euch. Wer die Bonus CD hat, bekommt sogar noch einige Songs oben drauf. Ich persönlich habe die Kollegen vom Label extrem lange schon genervt, wofür ich mich entschuldigen möchte, aber ich war nunmal extrem heiß auf die Scheibe. Dank Ensiferum habe ich nämlich meine Scheu vor dem Melodic Folk oder auch Pagan Metal verloren. Jahrelang hab ich mich nicht an die Musik getraut, doch jetzt möchte ich mehr ohne solche Klänge. Und das neue Album "One Man Army" trägt wieder dazu bei, dieses Genre zu lieben.

Starten wir also rein in eine Scheibe, die schon beim Intro erahnen lässt, was euch in den nächsten Minuten erwartet. "March Of War" ist ein sanftmütiges Intro, was euch langsam in den ersten Track führt. Man spührt so förmlich das Kribbeln, bevor es endlich los geht und man die Haare zum ersten Mal völlig durchdrehen lässt. Denn dann fällt sie, die "Axe Of Judgement". Petri lässt zum rasanten Beginn einen Schlachtruf raus, der einen erzittern lässt. Was dann aus euren Boxen kommt, muss laut gehört werden, denn dann entfaltet schon der erste richtige Song seine ganze Wirkung. Brettharte Riffs, epische Keyboards und eine dominante Stimme, die hier und da von den typischen Chören unterstützt wird. Hier trifft euch wirklich ein musikalisches Beil. Verausgabt euch hier nicht schon zuviel beim headbangen, denn da kommt noch mehr. Denn nach der Axt der Gerechtigkeit folgt nun die "Heathen Horde". Der Song hat einen typischen Ensiferum klang für mich. Eingängige Melodien und starke Keyboardklänge durch die einzige Dame in der Band Emmi Silvennoinen. Ohne ihr Outfit wirkt Emmi immer so brav, aber sie hat es faustdick in den Fingern und in der Stimme. Immer wieder führt sie im Backgroundgesang an und untermalt damit ihre Wichtigkeit in der Band. Bei dem Song gefällt mir besonders der ruhige Part, wo auf Finnisch eine kurze Geschichte erzählt wird. Die kräftigen Drums tun dann noch ihr übriges dazu. Wer also guten Bass an seinen Boxen hat, bitte spätestens jetzt aufdrehen und die Musik fühlen. Der Titeltrack zum Album startet mit einem satten Gitarrenfeuerwerk und einem erneuten Schrei von Petri. Hier wird klar auf Geschwindigkeit und harte Riffs gesetzt. Doch was ich schon immer bei Ensiferum bewundere ist die Abmischung der Songs. Auch bei "One Man Army" hört man ganz deutlich den Bass von Sami raus. Das ist leider bei vielen Bands ein Manko, doch bei Ensiferum überhaupt nicht. Ihr bekommt jedes Instrument klar und deutlich zu hören. Der Titeltrack verdient auch seinen Namen, denn er ist wirklich stark. Besonders gefällt mir das Gitarrensolo. Ob jetzt Petri oder Markus die Saiten zum glühen gebracht haben, kann ich leider nicht sagen. So gut ist mein Gehör dann doch nicht, bzw. ich bin mit Schreibtischheadbangen beschäftigt.

Das Ensiferum auch sanfte Klänge haben, beweisen sie im Intro zu "Burden Of The Fallen". Hier kommen Flötentöne, Streicher und auch Akustikgitarrenklänge zum Einsatz, die einem die Gänsehaut hervorrufen. Das Lied ist ein kurzes Zwischenstück, mit klarem Gesang und lässt euch erst einmal ein wenig verschaufen. Und dann wird es richtig episch. "Warriors Without A War" geht nahtlos über und nimmt euch mit in eine Welt wo Krieger keinen Krieg haben. Durch diese orchestralischen Klänge bekommt man ein Gefühl für die epische Schlacht, die Ensiferum hin und wieder kämpfen. Hier ist die Botschaft aber eindeutig und schon im Liednamen versteckt. Der Song selbst setzt auf gutes Midtempo und besticht durch den erwähnten Einsatz der zahlreichen Instrumenten. Auch Petri hält sich mit den ganz starken Screams zurück und erzählt das Lied in einer für seine Verhältnisse langsamen Geschwindigkeit. Empfehlung von mir: Augen zu und genießen, speziell wenn das Gitarrensolo einsetzt. Ein sehr tiefer Chor leitet dann den zweitlängsten Song der Platte ein. Mit 7 Minuten und 30 Sekunden bekommt ihr "Cry For The Earth Bounds" auf die Ohren. Ensiferum schaffen es hier wirklich den Titel des Songs mit Musik so perfekt in Szene zu setzen, das ist absolut Hammer. Besonders hervor sticht mir hier der zur hälfte kommende Instrumentalpart. Zwischen den kräftigen Riffs der Gitarren kommen immer wieder zarte Keyboardtöne hervor, die dann ihren großen Auftritt nur kurze Zeit später bekommen. Ein wirklich epischer Song. Aber dann ist auch erstmal wieder Schluss mit ruhig. "Two Of Spades" empfängt euch mit einem halsbrecherischem Gitarrensolo und bläst dann zur Attacke mit voller Kraft. Freunde der fetten Double Bass Parts kommen hier mehr als auf ihre Kosten. Eine Nummer, die nicht nur jede Wall Of Death sprengen wird, sondern mit Sicherheit es in jede Metaldisco schaffen wird. Grund dafür ist der Mittelteil. Ich musste hier ein wenig an Boney M und Dschingis Khan denken. Ma Baker meets Moskau, nur in finnischer Sprache. Wie geil ist das denn Bitte? Da merkt man die absolute Kreativität der Band, die hier eine neue Tanz- und Mitgröhlhymne geschaffen haben könnten. Düster und Episch geht es dann mit "My Ancestor´s Blood" weiter. Ein Midtempokracher, der vor allem durch seine düstere Art überzeugen kann. Hier wird die Gesichte der Vorfahren erzählt, denn übersetzt heißt der Track soviel wie "Das Blut meiner Vorfahren". Ensiferum nehmen euch also auf eine kleine Reise in die Vergangenheit mit. Man merkt hier aber eher die Entwicklung und diese Dynamik, die Ensiferum in den letzten Jahren gemacht haben. Und wie in der Albumbeschreibung zu lesen war, wurden alle Stücke weitesgehend Analog aufgenommen. Das bedeutet im Klartext, dass auf Computerspuren bewusst verzichtet wurde und die Instrumente, die zu hören sind, auch alle so eingespielt wurden. Davor kann man absolut nur den Hut ziehen. Das gibt den Songs eine ganz gewisse Note.

Fast unbemerkt schlendert man dann schon in den vorletzten Song der Scheibe. "Desecendants, Defiance, Domination" ist mit 11 Minuten und 20 Sekunden das längste Lied und beginnt mit einem ruhigen Bassolo. Das Stück baut sich mehr und mehr auf und spiegelt eigentlich alles das wieder, was Ensiferum verkörpern. Harte Riffs, epische Melodien, kräftigen Bass und donnernde Drums. Packt man jetzt noch Petri seine rauhe Stimme dazu, dann ist in diesem über elf Minuten alles drin, was man sich von Ensiferum wünscht. Egal ob sanfte Midtempoparts oder die flotteren Elemente, hier kommt wirklich jeder auf die Kosten. Zurücklehnen und genießen ist angesagt. Aber lasst euch nicht überraschen, wenn plötzlich klarer Gesang zu hören ist. Ihr hört immernoch Ensiferum, die dann mit "Neito Pohjolan" ihren letzten Song einleuten. Eigentlich müsste ich sagen eintrommeln, denn zu Beginn sind die Drums in einer Art von Humpaastil zu hören. Der Song ist komplett auf Finnisch gesungen und handelt von der Jungfrau von Pohjola. Dies ist ein finnischer Volksepos, die Ensiferum aus Liebe zur ihrem Land nun vertont haben. Gesungen wird das ganze von Netta Skog, die ihr sicherlich noch von ihrer Zeit bei Turisas kennen dürftet. Ein gelunger Abschluss, einer saustarken Scheibe.

Von mir aus hätte "One Man Army" noch einige Stunden weitergehen können, denn Ensiferum haben hier wieder ein so geiles Album fertig gebracht, dass man dafür einfach nur Danke sagen muss. Anschnallen und genießen, wie ich es eingangs schon gesagt habe. Aber noch besser ist, wenn ihr neben dem Album die Band auch live erlebt, denn dann entfalten die meisten Songs eine noch kräftigere Wirkung und ihr werdet umgehauen. Ich kann die Scheibe nur empfehlen und mich bei Ensiferum dafür bedanken und hoffen, dass es nicht wieder drei Jahre bis zu einem neuen Album dauert, auch wenn die Zeit sich gelohnt hat. Also Pflichtkauf!!

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