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EISREGEN - Marschmusik26.08.2015

EISREGEN - Marschmusik

EISREGEN - Marschmusik

verfasst von Jana W.

Seit 1995 begeistert und schaudert diese Band zugleich, mit deutschsprachigen, morbiden Texten und extremen Sounds, die sich aus den verschiedensten Nieschensounds der härteren Metal Richtungen zusammensetzen. Schon früh hat die Band einen seitdem unverkennbaren Stil etabliert, der sich zusammensetzt aus scharfem Sound, simplen, aber griffigen Riffs und nicht zu verwechselndem Gesang. 20 Jahre und 10 Alben später liefern EISREGEN nun ihr elftes Studioalbum ab, das kein Bisschen weniger kontrovers und anstößig ist als seine zehn Vorgänger.

Der Opener besinnt sich gleich zu Beginn des Albums auf alte Werte der Band, und lehnt sich mehr an den deutschen Black Metal an als alles, was seit den frühen 2000ern von EISREGEN zu hören war. Ebenso eröffnet es, ganz in Manier des Albumtitels, mit dem marschierendem Rhythmus und Sirenengeheul das von der Band allzu gern genutzte Bild von Krieg und Tod. Schon seit der Gründung spielen die Thüringer mit dieser Art Provokation, und balancieren dabei erfolgreich auf der feinen Grenze zwischen polarisierend und geschmacklos. Die Texte der Band wurden auf den letzten Alben allerdings statt wunderbar grenzwertig zunehmend plakativ und glitten mehr und mehr in ein klischeehaftes Härteposing ab. Umso erfreuender, dass sich EISREGEN in Sachen Lyrics nun wieder an vergangene Stärken zurückerinnern zu scheiden, und Marschmusik als Einstieg in das gleichnamige Album soll nicht der einzige Beleg dafür bleiben.

Highlights des Albums sind Gott Der Panzer und Fleischbrand. Ersteres überzeugt sowohl durch den simplen, Doom- lastigen Sound und den markanten Rhythmus, als auch durch die lyrische Finesse, die hier am aller meisten zur Schau gestellt wird. Gott Der Panzer beweist, dass EISREGEN die gekonnte Provokation der Vergangenheit noch immer mit ernsthafter, gut komponierter Musik zu verbinden wissen, und außerdem, dass die Band auch für Lyrik- Fetischisten einiges in der Hinterhand hat. Fleischbrand ist mit seinem Intro eine überraschende Abwechslung zu den übrigen Songs. Die Geigenmelodie, die den Titel einleitet, zieht sich auch durch den übrigen Song, und würzt die Musik gemeinsam mit dem Rhythmuskonzept mit einer folkigen Note- absolutes Ohrwurmpotenzial.

Wie auf den meisten EISREGEN- Alben zeugt aber auch auf Marschmusik nicht alles von hoher Kunst. In Leichensack kehrt die Band zu dem leicht klischeebehafteten Songwriting zurück, von dem sie sich zuvor erfolgreich entfernt hatte. Die Keyboardmelodie im Song gibt dem Ganzen zudem einen Anklang von Albernheit. Eben dieser Anklang scheint bei dem schon im Vorfeld des Albums erschienenen Panzerschokolade gewollt, allerdings wirkt die Tuba zu Beginn etwas über das Ziel hinausgeschossen, und der Text, obwohl durchaus kreativ, eher beliebig.

Fazit:
Die Band legt auf Marschmusik wie gewohnt eine Ambivalenz zwischen Ernsthaftigkeit, Brutalität und Witz an den Tag, die mitunter durchaus gewöhnungsbedürftig sein kann. Bis auf wenige Ausnahmen harmonieren diese beiden Extreme sehr gut miteinander, und das Album ist so abwechslungsreich wie EISREGEN lange nicht war.

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