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DYSFUNKTION - Der alte Mann hat "Nein" gesagt17.06.2015

DYSFUNKTION - Der alte Mann hat "Nein" gesagt

DYSFUNKTION - Der alte Mann hat "Nein" gesagt

verfasst von Karla the Fox

Wenn die alten weisen Männer sprechen, hat der Rest der Welt zu gehorchen? Wer das denkt, dem fehlt ein Puzzleteil im Hirn. Diese Botschaft, und noch so einiges Weiteres, tragen die neu zusammengestellten Dysfunktion aus aus dem liebenswerten Lehrte in das Land hinaus. Sie spielen Alternative Rock mit Punkeinschlag und deutschen Texten, woraus sich schon automatisch ergibt, dass Dysfunktion in ihre Songs immer eine augenzwinkernde Meinung über die Gesellschaft reinpacken.
Der Reigen beginnt mit dem mit der Ex(?) abrechnenden Song "Lügen". Hoffentlich ist mit dieser Tante nicht dieselbe gemeint, die in "2 Meter" so wunderbar 'rundum' beschrieben wird: "2 Meter breit, 2 Meter hoch, 2 Meter tief, 2 Meter lang und 6 Meter Bauchumfang!" So einen Song hab ich noch nie gehört und bei aller politischer Unkorrektheit ist er mega witzig geworden und liefert gleich einen 'fetten' Sound mit dazu. Ob es die pralle Nachbarin des Protagonisten ist, die ihm auch seinen "Scheißtag" beschert? Eher weniger, an dem läuft nämlich gar nichts 'rund'.

Okay, genug der billigen Wortwitze, das überlassen wir lieber den Sängern Dominik und Jona, die beide jeweils ein Instrument und gleichzeitig das Mikrofon bedienen. Der Song "Tristesse" hat mich jetzt eher kalt gelassen. Umso geiler ist dafür das "Blog U(n)ser" geworden. Dieser Angriff gegen die Abhängigkeit von Meinungsmachern aus dem Netz hat es tatsächlich gewagt, das zentrale Gebet des christlichen Glaubens umzutexten. "Unser täglich Post" - einfach genial. Wenn Dysfunktion darüber singen und spielen, müssen sie keinem Maikäfer mehr auf die Beine helfen, sie haben dann für diesen Tag schon eine "Heldentat" begangen.

Egal was es ist, man kann eigentlich mit jeder Zeile diese Jungs spielen, sie umdrehen und weiter ausbauen. Die Songs machen nicht nur dadurch ordentlich Spaß, auch die Musik hat was drauf, aber es ist das herausstechenden Element. Die Situationen aus "Stimuli" kennen wir auch alle: Reizüberflutung. Permanent online, überall dabei und eine Welt mit zu vielen Angeboten. Da hilft doch nichts anderes mehr, als auf "R.S.F." umzustellen, was im ausgeschriebenen Klartext nichts anderes heißt als "Rauchen, Saufen, Feiern". Aber solch einen Titel würde man doch nie einem anständigen Song geben.

Den Vogel im wahrsten Sinne des Wortes abschießen tut das Quartett von Dysfunktion mit dem Schlusssatz "Dreck". Das könnte ja eigentlich über alles gehen, immerhin versinkt doch die ganze Welt im Dreck. Dysfunktion gehen aufs Härteste und nutzen das Wort aus Schimpfwort für jemanden, der in den Augen der Allgemeinheit nichts weiter ist als Dreck. Und "deshalb sperren sie dich weg". Der Song endet mit einem Schuss und Kettengerassel. Soll doch bitte jeder für sich interpretieren, was damit wohl gemeint sein könnte... Ich hoffe, die Menschheit ist intelligent genug, den Zynismus und die Antihaltung von Dysfunktion zu erkennen, anstatt sie selbst 'an den Pranger zu stellen'.

Vielen Dank für Ihr Verständnis :-P

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