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DIE BONKERS - Stürmische Zeiten03.09.2015

DIE BONKERS - Stürmische Zeiten

DIE BONKERS - Stürmische Zeiten

verfasst von Kalle

Im Jahr 2010 habe ich von den Rostockern das erste Mal gehört. Dort spielten sie auf einem Festival in der Nähe ihrer Heimatstadt und wir machten ein spontanes Interview im Auto. Das war durchaus sehr interessant und amüsant gewesen. Danach hab ich die Band immer mal wieder im Netz verfolgt und bin jetzt ehrlich gesagt überrascht gewesen, als die neue Platte in meinem Briefkasten lag. Fand ich total cool und zudem war ich sehr gespannt, welche Lieder einen jetzt erwarten würden.

Kennengelernt habe ich sie als eine Bande von jungen und talentierten Musikern, die dem Alkhol nicht abgeneigt waren. Sie sangen häufig über ihn und ließen selten eine Gelegenheit aus, ein leckeres Dosenbier zu kippen oder den Jacky D. zu nippen. Jetzt liegt das neue Album "Stürmische Zeiten" vor mir und ich habe mehrfach genau hingehört und war mehr als überrascht und zwar im sehr positiven Sinne. Aus den kleinen Kindern im Bälleparadies, die gerne an der Flasche hingen, sind gestandene Kerle geworden, die sich richtig Gedanken machen, was um sie herum und mit ihnen passiert. Das musikalische Talent ist dabei nicht zu kurz gekommen, sondern eher gewachsen. Jungs was ist das für eine schöne Platte geworden.

Das sind dreizehn saubere Songs, die für jede Menge Gesprächsstoff sorgen werden. Es ist das ingesamt vierte Album der Vier und es ist aus meiner Sicht das Beste, was ihnen bisher gelungen ist. Hier hat man sich mehr als nur Gedanken über den Inhalt der Songs gemacht. Klar ein weing Augenzwinkern ist hier und da gegeben, das gehört bei der Band einfach dazu, doch zeigt diese Scheibe die Vielfalt der Herren Bonkers. Ich würde fast soweit gehen und sie mit den Onkelz zu vergleichen. Denn musikalisch als auch gesanglich sind hier viele Parallelen zu finden. Das fängt bei den ausgewählten Riffs an und geht über die Betonung mancher Sätze. So manch Songmelodie erinnerte mich direkt an einen Onkelzsong. Zu nennen wäre da zum Beispiel "Unsere Zeit". Der Track ist eine absolute Hymne! Man kann in manche Songs eigene Interpretationen rein bringen und damit vielleicht auch den Nerv der Band treffen, den sie treffen wollten "Vorschlaghammer" wäre da ein gutes Beispiel. Der sehr harte Track ist aus meiner Sicht ein Ruf nach Abwechslung und weg von der vorgesetzten Routine in unserem Leben. Man sollte mal weg von all dem was uns fesselt und einfach andere Dinge tun. Ob es jetzt ein Vorschlaghammer im Glaspalast sein muss, wie im Lied beschrieben, ist jetzt Ansichtssache, aber die Message dahinter ist klar.

In den Liedern geht es um Alltagssituationen, um Liebe ("Tage im Nebel") und was einen sonst bewegt, wenn man ein normaler Bürger ist. Auch innere Wünsche, wie "Mulitmilliardär" werden angesprochen. Wobei ich hier nicht sicher bin, ob das ein Wunsch ist oder eine Abrechnung mit den Reichen. "Lasst uns brennen" gefällt mir sehr, da man hier mit dem Krieg ins Gericht geht und aufzeigt, was das eigentlich für ein Schwachsinn ist. Und das die Bonkers nicht nur gröhlen und laut rocken können, beweisen sie mit ihrer sehr geilen "Ballade" mit dem Namen "Wenn wir gehen". Das ist mein persönlicher Lieblingssong auf der Platte, weil ich hier derbst Gänsehaut bekommen habe. Da liegen echte Emotionen in dem Stück und das haben sie in jede einzelne Note gepackt. Ein weiterer Anspieltipp ist "Was lange gärt". Eine grandiose Ansage an die Politik und die, die uns regieren wollen. Und neben den ganzen kritischen Titeln lassen die Bonkers einen doch schmunzeln. Dafür haben sie ein Lied wie "1 ? Job" geschrieben. Der so berühmte Rostocker Humor.

Und ähm... Jungs... wer hat die Reihenfolge auf der Platte bestimmt? Euch ist da ein Fehler unterlaufen. Denn bei meinem Exemplar ist der letzte Song der Vorletzte. Dieser ist doch etwas gewöhnungsbedürftig, denn "Knüppel aufn Kopp feat. Ostmaul" hat ein Stil... ähm... ja... Gangsterrap? Ehrlich? Dann lieber doch den dann wirklich letzten Track "Was dich tötet" hören und genießen. Sehr geniales Ende, was dann eine weitere Überraschung bereit hält. Denn der Song ist zwar zu Ende geht aber noch etwas weiter und plötzlich kommt diese gewisse Zugabe und ich als Berliner musste schon etwas schmunzeln.


Fazit:

Musikalisch bieten die Bonkers erneut ein breites Spektrum an, was über den normalen Rock hinaus geht. Die Songs sind ausgereift und durchdacht und bestens produziert worden. Ich finde den Schritt gut, dass man weg von dem ganzen Saufrock geht und sich mit kritischen Themen auf gewisse Art und Weise befasst. Eine Platte die ich jeden empfehlen kann, der auch nur im Ansatz was für guten handgemachten Rock übrig hat. Eine zukunftsweisende Platte für die Rostocker, die damit sicher ihren Fankreis in der Szene und darüber hinaus erweitern werden. Und demnächst dürft ihr gerne wieder über den Dächern von Berlin spielen. :D

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