Review

DESERT - Never Regret13.10.2015

DESERT - Never Regret

DESERT - Never Regret

verfasst von Karla the Fox

Mit Desert habe ich mal wieder eine Band 'abbekommen', an der ich mir die gedanklichen Zähne ausbeißen kann. Es ist eine Band, die es schon länger gibt (2002), von der ich aber nie etwas gehört oder gesehen hatte. Sie stammen aus Israel und sehen sich im Feld 'Dark Epic Metal'. Das beinhaltet Texte über Schlachten, die dunkle Seite des Menschen und viel Dramatik in der Musik, die sie spielen und singen. Nun lasse ich mich in dieses Album sinken und habe fast ebenso viele Dinge, die mich schlichtweg im positiven Sinne aus dem Socken hauen, wie ich Details entdecke, bei denen ich das Gefühl habe, blutige Anfänger und Laien vor mir zu haben. Rein akustisch gesehen, würde das gar nicht mal so auffallen. Die Songs sind sauber geschrieben, schön abwechslungsreich, erzählen Geschichten und haben das ein oder andere versteckte Extra. Nun ist es aber so, dass ich auch das Booklet, die Biographie der Band, Bilder und anderes vorliegen habe, und da zieht sich alles zusammen. Das Design ist viel zu überladen und zusammengebastelt, die Danksagungen und Bandbeschreibung voller Fehler und auch die gut gemeinte Mischung und Produktion des Albums will mehr als die Technik herzugeben scheint. Arbeiten Desert einfach mit dem falschen Team? Oder müssen sie alles selbst machen, kennen sich aber nur mit der Musik richtig gut aus? Ich weiß es nicht und finde es schade. Ich meine, man hat nicht jeden Tag einen Vocalisten wie Alexey Raymar, der die grollenden Metalgesänge über mörderische Kriege genauso beherrscht wie eine fast Phantom der Oper-artige Stimme, gehaucht, gefühlvoll, klassisch ausgebildet. Oder dann wäre da die Vielfalt der Instrumente. Neben der obligatorischen Gitarrenbetonung dürfen wir uns über Streicher, Bläser, Piano und weiter kleine Einspieler oder Samples freuen. Es bisschen experimentierfreudig, doch nicht zu viel, das gefällt.
Jetzt sind die ganzen Kriegs- und Horrorszenarien nicht so unbedingt mein Lieblingsfeld. Ist aber in Ordnung, wenn man es gut macht und ohne wem auf die Füße zu treten. Das schaffen die Desert Jungs auch ganz geschickt, indem sie niemals von aktuellen Geschehnissen singen, sondern mehr von den alten Sachen aus den Geschichtsbüchern. Römer, Polen, das Jahr "1812",...  Mein Favorit ist das Duett "The Road To You", das wunderbar emotional die liebende Seite der Band freilegt und dementsprechend mit einer weiblichen Gastsängerin daherkommt, die in den oberen Ligen mitsingen könnte.

Das ist echt alles cool, was Desert da machen, die Wechsel in der Dynamik, die Gitarrensolos, den gekonnten Einsatz von Gästen - nur das Image ist viel zu überladen. Zu viele Flammen, sowohl optisch als auch im Inhalt. Das Cover ist noch ganz interessant, wo eine alte Burgruine vollständig erhalten einer modernen aber zerstörten Großstadt gegenüber steht. Verschwörungstheoretiker auf die Plätze, fertig, los! Ein Novum ist tatsächlich, dass ich nicht sagen kann, wie sehr ich die Band und ihr Album insgesamt mag. Vieles ja, manches ist einfach nicht mein persönlicher Stil. Umso besser, dass die Geschmäcker verschieden sind, denn eine Berechtigung, ihre Musik zu spielen, haben Desert.

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