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DEEP PURPLE - InFinite14.04.2017

DEEP PURPLE - InFinite

DEEP PURPLE - InFinite

verfasst von Karla the Fox

Rock hält jung. Selbst, wenn man bereits seit einem halben Jahrhundert zusammen Musik macht. Wenn man dann noch seine Stimme mit 72 Jahren zu einer futuristischen Computerstimme verzerren lässt und mit dieser über politische und soziale Dinge singt - dann ist man eindeutig cool und lässt sich von nichts unterkriegen. 

Nach "Now What?!" haben Deep Purple nicht, wie vielleicht von manchen erwartet, den Ruhestand angetreten. Auch, dass Richie Blackmore inzwischen längst Geschichte für die Band ist und auch nicht mehr für Gasteinspieler zurück kommt, hält die Rocklegenden um Ian Gillan davon ab, ein 20. Album abzuliefern - das erstaunlich viel Groove und Aktualität in sich hat. Old School Hard Rock hat seinen ganz eigenen Drive, besonders stark durch Hammond Orgeln und Jazzelemente gekennzeichnet. Dennoch kommen Deep Purple mit ihren Beats und Themen im Jahr 2017 an. Gillan kann die ganz hohen Passagen alter Stücke scheinbar nicht mehr singen. Auf tieferen Lagen ist seine Stimme aber noch sehr kräftig und hört sich auch vom Ausdruck eindeutig jünger an als 72. Er singt auch irgendwann was von schönen Mädchen... was aber gar nicht so sehr nach Schwelgen in alten Erinnerungen klingt. Vielleicht müssen wir jungen Menschen uns daran gewöhnen, dass man im Alter nicht unbedingt seinen Charakter ändern muss. Meine Generation hat die Anfänge von Deep Purple nie erlebt und kann nur erahnen, mit was für einem Können sie den Rock'n'Roll und Blues von damals mitgenommen haben. Man nehme nur das rockabilly- und pianogespickte "One Night in Vegas". Kein originelles Thema, doch die Atmosphäre - viele von uns wünschen sich beim Hören so eines Songs, eine Zeitmaschine bereit stehen zu haben. Swinging Sixties (or even earlier) here we come! Im Kontrast gleich danach: "Get Me Outta Here", dessen Rhythmen fast schon Industrial sind und dann das erzählende, gefühlvolle "The Surprising". Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich höre da sowohl ganz viel Liebe zu Johnny Cash drin als auch cineastische Dramatik. 

Die Stimmung auf "InFinite" ist, wie das Coverartwork schon andeutet, etwas kälter als auf dem durchschnittlichen Rockalbum. Vergleiche sind im Bereich so großer Bands etwas Fehl am Platz, ich würde aber trotzdem sagen, dass man sich nahe an dem bewegt, was auch Uriah Heep so erfolgreich gemacht hat. Zurück zur 'Kälte': Ein bisschen Melancholie kann man nicht vermeiden, wenn man (in wechselnder Besetzung allerdings) bereits 20 Alben produziert und alle Ups und Downs erlebt hat, die man als Musiker erleben kann, inklusive dem Tod eines ehemaligen Kollegen. InFinite als Name kann nun beides bedeuten - dass Deep Purple bis in alle Unendlichkeit weiter machen mit der Musik, oder, wenn man auf das betonte "Finite" im Namen achtet, dass das nun wirklich das Ende ist.

Mit ihrer letzten Idee, den "Roadhouse Blues" der Doors zu covern, machen sich Deep Purple keine Freunde. Viele kreiden ihnen an, den Song nicht so herüber zu bringen, wie er bei Jim Morrison gewirkt hat und damit haben sie Recht. Ich würde es ihnen aber auch nicht übel nehmen. Vielleicht war es ein Experiment, viel eher ein Liebesgeständnis an eine andere Legende, die leider nicht das Glück hatte, ein halbes Jahrhundert lang Musik machen zu können.

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