Review

CORONATUS - Cantus Lucidus17.12.2014

CORONATUS - Cantus Lucidus

Coronatus - Cantus Lucidus

verfasst von Karla The Fox

Mhh, mal sehen, was noch von meinen Lateinkenntnissen über geblieben ist?
Coronatus, der Name dieser Gothic Metal Band aus dem Umkreis von Stuttgart, müsste irgendwas mit Krone zu tun haben. Auch der Kranz aus Feuer der sich um die Sonne bildet, wird mitunter Corona genannt. Es muss also etwas mit Licht und Kraft zu tun haben. Dazu passt das Wort Lucidus, das nach meiner Erinnerung von Lux, also Licht, stammen müsste. Wörterbuch sagt hell, leuchtend, deutlich, klar. Gut, passt in der Tat. Cantus? Nun, cantare bedeutet singen, demnach dürfte Cantus ein Lied sein. Nachgeschaut und Recht behalten. Allerdings kann es gleichzeitig auch Spiel, Weissagung oder Zauberspruch bedeuten.

Damit dürfte der Style der Band ungefähr umrissen sein. Coronatus sind aber nicht nur irgendeine Female Fronted Gothic-Kapelle aus der Sammelkiste. Wiedererkennungsmerkmal Nummero Uno ist die Tatsache, dass nicht eine sondern zwei (zeitweise sogar drei) Grazien am Mikrofon stehen wodurch jedes einzelne Lied ein gefühlvolles Duett wird. Carmen Lorch übernimmt die opernartigen Soprangesänge für die sonst das eine Ende des Genrespektrums bekannt ist, während seit neuestem Anny Malayes den Part der Rockröhre übernimmt. Die beiden Damen zieren neben den Vocals der Band auch das Artwork des Albums.

Das zugegeben etwas kitschige Design offenbart nicht in sich, welche der Damen in welcher Stimmlage singt, ist jedoch ein Meisterwerk der Detailverliebtheit. Schöpfer ist Jan Yrlund, seinerseits Designer für große Namen wie Manowar, Apocalyptica und Stratovarius. Auch die Liste der Namen mit denen sich Coronatus bereits eine Bühne geteilt haben, muss sich nicht verstecken: Within Temptation, Midnattsol, Doro, Tarja u.a. Ob sich die Coronatus-Vokalistinnen Tipps von den längst gekrönten Königinnen der Szene geholt haben? Ihre Stimmen harmonieren jedenfalls perfekt zusammen. Gewünscht hätte ich mir noch ein paar Passagen mit mehr Spannung zwischen ihnen, weniger Duette, mehr Duelle.  Da kann ich eventuell lange warten, denn Carmen und Anny singen unter anderem von ihrer niemals zerstörbaren "Freundschaft" (Track 5 auf dem Album) und ihrem Wunsch, dass es "No Holy War´s mehr gäbe.

Die Botschaften der Songs stimmen allgemein mit dem "leuchtenden" Albumname überein, denn mögen sie noch so gesellschaftskritisch sein, haben sie immer eine friedenstiftende Absicht. Deutsche und Englische Texte wechseln sich dabei in etwa ab, einen auf Latein gibt es aber nicht.

Als Unterstützung haben sich Coronatus gleich vier Gastmusiker ins Boot geholt. Die Namen sagen mir nichts. Ihr Spiel aber passt zu den Kompositionen von Coronatus wie die Faust aufs Auge: Elli Wiesner als Violinistin, Marion Visotschnig an der Flöte, Pinu´u Remus am Keyboard und Markus Stock am Bass. Feste Besetzungen für diese Instrumente hat die Band gar nicht.

Ich glaube was für Coronatus spricht, ist ihre Bodenständigkeit im Vergleich zu anderen, weitaus esoterischeren Gothicbands. Außerdem denke ich, dass sie nicht nur bei alten Szenehasen sondern auch bei den durchschnittlichen Jugendlichen mit ihrem Stil und ihren Botschaften gut ankommen.
Diese müssen die Band jetzt nur noch entdecken.


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