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CORAXO - Neptune26.11.2015

CORAXO - Neptune

CORAXO - Neptune

verfasst von Robert K.

Avantgarde Death Metal? Klingt interessant. So oder so ähnlich lauteten meine Gedanken, als ich das erste Mal über Coraxo laß. Die drei Finnen versorgen uns nach zwei EPs im letzten Jahr nun mit ihrem Debütalbum "Neptune". Laut eigener Aussage mischen sie Death Metal mit Industrial, Electro, Jazz und Prog Rock - eine ganze Menge. Noch dazu kann sich das Cover durchaus sehen lassen. Für eine Band, die erst 2013 gegründet wurde, hat man sich schon mal ein paar fähige Hände besorgen können, denn Dan Swanö, welcher schon u.A. mit Bloodbath und Katatonia arbeitete, hat die Platte gemastert. Im Sinne des Albumtitels also: "Let´s dive in!"

Der Beginn passt sehr gut auf den Avantgarde-Stil. Es geht ruhig los, man kreiert eine kleine Meeresstimmung aus Klang, die dann zunehmend verzerrt wird. Nach einer kleinen Weile wird man zum ersten Song geleitet und dort plötzlich startet der Death Metal mit Geschwindigkeit und Gewalt. Das ist im Kontext des Intros sehr überraschend und spielt mit der Erwartungshaltung des Hörers, man weiß nicht, was einen als Nächstes erwartet. An dieser Stelle sollte auch erwähnt werden, dass Coraxo sich für ihre Texte an Horror- und Sci-Fi-Filme der 70er Jahre halten, daher sind die Synthesizer-Passagen auch in ihrer Ausführung an diese Zeit angelehnt. Sie wirken einfach, erzeugen allerdings auch die nötige Stimmung. Hinzu kommt dann noch der kratzige Gutturalgesang des Frontmanns Tomi Toivonen, der übrigens die Gitarre, das Keyboard und den Gesang übernimmt. Ob er ein Geschöpf Neptuns ist? Unwahrscheinlich, da er ja aus Finnland stammt.

Der Electro- bzw. Industrial-Anteil der Komposition wird zwar nicht durchgängig deutlich, ist aber gerade zu Beginn eines jeden Liedes vorhanden und auch als Überspielung für länger ausgespielte Passagen gerne eingesetzt. Das sorgt für Atmosphäre und bekämpft unnötige Langeweile - so mag man das. Ein kleines Schmankerl für alle U-Boot-Fans ist da beispielsweise "Signal Detected", welches mit einem Sonar startet oder "In Adoration" mit einem prächtigen Saxophon Solo von Gastmusiker Ilka Ferm. Jedes Lied hat seine Identität und einen Charakter, den man wiedererkennt. Man versinkt und bekommt dabei viele Facetten erst nach mehrmaligem Hören in ihrer Ganzheit zu spüren.

Normalerweise würde man die Tatsache ankreiden, dass der Gesang viel zu viel Hall bekommen hat, aber da die Band das als Stilmittel nutzen möchte, um ihre Geschichte voran zu bringen und den Hörer in eine Unterwasserwelt voller Mysterien mitnehmen möchte, ist das natürlich entschuldigt. Ansonsten kann man der Abmischung keine Vorwürfe machen, denn der Sound kommt sehr gut beim Hörer an, jedes Instrument hat seinen Platz und auch die Einspieler stören das Gesamtkonzept nicht, sondern erweitern es.

Durch ein kurzweiliges, abwechslungsreiches und durchdachtes Konzept heben sich Coraxo angenehm vom allgemeinen Allerlei ab und legen sogar noch ein paar Fische extra oben darauf. Man kann sich einfach fallen lassen und am Abend eine Zeitung dazu lesen oder sich ins Bett legen und seine Träume durch "Neptun" versüß-salzen lassen - schließlich geht es ja um den Ozean. Wenn man sich erst einmal darauf einlässt und nicht vor Electro und Industrial als Erwähnung zurück schreckt, merkt man, dass alle Genres, die angeschnitten wurden, durchaus ihren Platz haben. Alles wirkt wie aus einem Guss und geht ineinander über. Lasst euch von Neptun beseelen.   

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