Review

COPPELIUS - Hertzmaschine22.01.2015

COPPELIUS - Hertzmaschine

COPPELIUS - Hertzmaschine

verfasst von Claudia H.

Am 30.01.2015 ist es soweit: Die Herren von Coppelius veröffentlichen ihr neues Album Hertzmaschine! Doch was ist eine Hertzmaschine? Und welcher Zusammenhang besteht zur Herzmaschine? Diesen Fragen kann man wohl nur im Steampunkuniversum von Coppelius nachgehen. - Also schnell auf Exkursion in die Vergangenheit: Mit dem "tragischen Ende eines Luftpiraten" beginnt die Reise in 19. Jahrhundert, auf die uns Coppelius mitnehmen. Die 16 Lieder der Platte sind thematisch wie musikalisch überaus abwechslungsreich und definitiv eine ausführliche Rezension wert: Nach dem kurzen oben genannten Intro, welches mit geräuschuntermalten Gesang überzeugt, folgen schon die ersten treibenden Cello- und Kontrabassklänge.

"Der Luftschiffharpunist" entführt uns hoch über die Wolken und nimmt den Hörer mit auf Jagd nach "Kraken aus Wolken und Sturm", doch da die Funktionsweise und Mechanik des Luftschiffes so überaus komplex und feinfühlig ist, endet das Jagdunternehmen tödlich! Ein ziemlich cooles, spannungsgeladenes Solo befindet sich in der Mitte des Songs, der mit schnellen und kraftvollen Tönen überzeugt und die Story nachvollziehbar und ohne viel Schnickschnack durch den Sänger wiedergibt. Das "Moor" ist ähnlich treibend, doch etwas tanzbarer veranlagt. Dieser Titel beinhaltet das Wohlgefallen an der Unterstützung, auch von Unbekannten - verdeutlicht in diesem Song, durch die Beschreibung, wie eine Frau durch das Moor getragen wird. Auch in diesem Lied sind sowohl Kontrabass als auch Cello vordergründiger, als die Blasinstrumente. Sehr viel langsamer, gediegener und tragender erzählen die 6 Berliner von der "Harmonie". Doch auch dieser Song, dessen Melodie von Cembalo und Klarinette bestimmt wird, erscheint keineswegs langweilig, da er auch einen schnellen Part enthält. Nach der Freude über die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, welche mit der Harmonie einhergehen, bekommt die Person den Konsum von Drogen unterstellt, worauf ein Ausbruch aus dem einengenden Weltbild folgt.

Ein wunderschönes Intro leitet zum Titelgebenden und fünften Song der Platte über: "Herzmaschine" handelt von einem Apparat, der mit viel Energie funktioniert um die Besitzerin vor dem erneuten verlieben zu bewahren. Grund dieser Erfindung ist der mit der Liebe einhergehende Verlust der Freiheit. Nichtsdestotrotz versucht einer der Arbeiter ihre Maschinerie zu sabotieren - die Besitzerin bleibt hart, zeigt keinerlei Verständnis für die Liebe und verurteilt den Saboteur. Musikalisch sind nach dem bezaubernden, hellen Klarinettensolo eher die treibenden Drums und die dunklen, düsteren Streicherklänge vordergründig. Auch der erzählende Gesang ist eher tief und düster, was im Kontext des Liedes überaus gut wirkt und ein gespanntes Verfolgen der Geschichte durch den Zuhörer fördert. Mit weitaus helleren, höheren Klängen erzählen die Musiker vom Sternenstaub, der im ewigen Eis gesucht wird. Ein Song bei dem die musikalische Umsetzung den Text durch klaren, sanften, melodischen Gesang, den Klavierklängen und den zarten Streichern perfekt untermalt. Die "Reise" ist eine gute Mischung aus Blas- und Streichinstrumenten, ist sehr abwechslungsreich in ihrem Tempo und erzählt die Story von einem gehetzten Reisenden, denen es doch immer wieder zu einer nahestehenden Person zurücktreibt. Textlich ein einfacher Song, der aber durch die musikalische Variabilität überzeugt.

Titel Nummer 8 "Das Experiment" erzählt auch wieder überaus abwechslungsreich und spannend von einem Wissenschaftler, der durch einen kleinen Fehler seine Untersuchungen in die Luft fliegen lässt. Besonders herausragend sind hier die großartigen, erzählenden Parts, die stimmlich sehr variabel erscheinen und dadurch die Geschichte sehr anschaulich wiedergeben. Dazu trägt außerdem die großartige Geräuschkulisse bei. Nun folgt der erste der drei englischen Songs der Platte: "Glad to be dead" veranschaulicht einige schlechte Bedingungen, unter denen man zufrieden sein sollte, tot zu sein und sie nicht als Lebender ertragen zu müssen. Dieser Titel ist wieder etwas härter angelegt und ist durch Kontrabass, Cello sowie Drums sehr treibend und schnell. Auch hierbei dürfen die Klarinettenmelodien nicht fehlen. Ein typischer Coppelius-Hit! "Contenance" ist ein musikalisch ruhiges Intermezzo, das beinahe nur mit den Gesängen der Herren von Coppelius daherkommt, doch das ist nicht alles: Der Text provoziert durch die häufigen Wiederholungen des Wortes "Contenance" einiges an Gewaltpotenzial. Die Verknüpfung zum folgenden Titel liegt nahe: Hinter Track 11 verbirgt sich das Ironmaiden-Cover "Killers".

Trotz dass die Berliner Band sich nicht auf E-Gitarren in ihrer Musik versteht, faszinieren sie bei diesem Song mit unglaublicher Schnelligkeit und Härte. Diese werden natürlich von der gewohnten Instrumentierung mit Klarinetten, Kontrabass, Cello und Schlagzeug umgesetzt. Auch der Gesang fällt in diesem Musikstück aus der Norm und wird kraftvoller, schreiender, metal-ähnlicher. Eine richtig coole Coverversion, die es in sich hat! Der 12. Titel "Es fiel ein Himmselstaue" ist ein bearbeitetes Traditional und ist auch deutlich ruhiger, als der rasante Vorgängertrack. Nur Cembalo und Klarinetten begleiten den sanften, wohlklingenden Gesang, der von Frühlingsgefühlen und Wohlgefallen erzählt. Bezaubernd Melodiös, beinahe etwas arabisch, kündigt sich auch schon "Des Bettlers Traum" an. Dieser Song punktet wieder mit voller Instrumentierung. Die Lyrics erzählen vom Überdruss, welchen den Bettler umgibt. Dieser allerdings möchte kein Teil dieser materiellen Welt sein.

"Black is the colour" ist eine schlichte englische Volksweise über die auf wunderschöne Art die Sehnsucht nach der Geliebten beschreibt. Wie schon erwähnt ist der Song eher schlicht gehalten: Es bedarf keiner treibenden Drums diese zarte Melodie und den leichten Gesang zu vermitteln, demnach bestimmen Cembalo und Streicher den Hauptpart dieses Songs. Der Musenkuß beginnt auch eher leicht und zart, steigert sich aber noch im Tempo und so wird auch dieser Titel ein typisch coppelianischer Musikwirbelwind, der danach fragt, was übrig bleibt, wenn sich ein Künstler ganz dem Absinth als beflügelnden Musenkuß hingibt. Und dann hab ich die Platte auch schon bis zum letzten Titel gehört: Titel 16 "Konzert" ist ein nachdenklicher Abschied. Leichte, stimmungsvolle, melodiöse Klänge untermalen den Sprechgesang, der von der empfundenen Glückseligkeit gepaart mit Melancholie berichtet, die nach dem Konzert aufkommt. Gern erinnert sich der Zuhörer an die schönen Stunden zurück - bis der Alltag wieder über ihn hereinbricht. Ein toller Abschied für eine schöne Platte.

Alles in allem wurden meine hohen Erwartungen, welche die Herren mit ihrer Performance in Chemnitz in mir schürten, komplett erfüllt. Das wunderschöne, einzigartige, stilvolle Konzept wurde in ihrem 5. Album zauberhaft umgesetzt.

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