Review

BEING AS AN OCEAN - Waiting For Morning To Come 29.08.2017

BEING AS AN OCEAN - Waiting For Morning To Come

BEING AS AN OCEAN - Waiting For Morning To Come 

verfasst von Claudia

"I want you to listen very, very carefully..."
(BAAO, Black & Blue)

Unfassbar überstürzt gehe ich eine umso intensivere Beziehung mit dem neuen Being As An Ocean Album ein. Aber was kann daran schon falsch sein, wenn allein das visuelle Erscheinen der Songs mit konditionierter Gänsehaut einhergeht?

Unlängst verfolge ich die musikalischen Schritte der markanten Gruppe, deren viertes Album am 08. September 2017 veröffentlicht werden soll. Nach der Trennung von ihrem Label, um wieder unabhängig agieren zu können, kann ein entsprechendes Maß an Authentizität erwartet werden - nicht die Art von aufgesetzter Vermarktungs-Authentizität, sondern diese ernstgemeinte Individualität, um ein Stück Kunst zu generieren, das ehrlich-persönlich und innovativ fesseln kann.

Das Album-Cover zieren drei Ampel-Lichter im Nebel, die - nebenbei erwähnt - in Deutschland fotografiert wurden und deren maßgebliche Bedeutung in den zahlreichen Tour-Reisen und -Erlebnisse der Band zu finden ist.

Was sich hinter den teils kryptischen Songtiteln verbirgt, die nach einer interpretationswürdigen Verbindung schreien, gilt es noch herauszufinden. Aber genau darum geht es doch: Sich mit diesem Kunstprodukt auseinanderzusetzen, sich selbst oder die Künstlerintention darin wiederfinden zu wollen. Erwähnenswert erscheint mir, dass der Songtitel and fade away when morning came schon so viel Unbeständigkeits-, Kurzweiligkeits- oder gar Vergänglichkeitsgefühl auf ein Album mit dem Titel Waiting for Morning To Come wirft. Hier geht es nicht um die glatte Handlung mit klassisch-befriedigendem Abschluss.

Oder nimmt man sich die jüngst veröffentlichte Single Thorns und wirft einen Blick auf jenes Cover, offenbart sich schnell die scheinbar dem Titel widersprechende Zeile You'll never be alone again. Das mir hierbei christlich-religiöse Implikationen aufkommen ("Shake the death from your bones"), liegt wohl darin begründet, dass die guten Ideale der Nächstenliebe und des offenherzigen, wohlwollenden Umgangs, welche von der Band bzw. insbesondere von Sänger Joel Q. - allerdings religionsunabhängig - popularisiert werden. Zur musikalischen Umsetzung sind nicht viele Worte notwendig, da ihr euren eigenen Eindruck durch das bereits publizierte Youtube-Video aneignen könnt. Es ist düster, emotionsgeladen und einer der fesselndsten Songs der Waiting For A Morning To Come-Platte.

Wage ich einen schweifenderen Blick über die 14 Songs bleiben die entschleunigend ruhig-reduzierten Piano-Stücke, die beispielsweise (und einfach gedacht) einen Blick aus einem regenbenetzten Fenster metaphorisieren könnten (u. a. pink & red oder floating through darkness, they seemed to) in Erinnerung; die Rohheit und damit eine Nahbarkeit, die ein perfekt-konstruiertes Pop-Album vermutlich nie ausstrahlen könnte; die klarer ausfallenden, aber dennoch druckvollen Gesangparts und das rückwärts abzuspielende eB tahT srewoP ehT (The Powers That Be) mit seiner okkulten Wirkung sind markant. Das Album findet mit dem titelgebenden Track und einigen Sekunden jazziger Bläser sein Ende.

Being As An Ocean überwinden die Genre-Grenzen des Hardcore und Rock einmal mehr in Richtung einer intensiv, elektronisch-melodiösen, angemessen gitarrenlastigen Impression.

Tracklist:

1. pink & red
2. Black & Blue
3. floatin through darkness, they seemed to
4. Glow
5. and fade away when morning came
6. OK
7. as though each of my problems would slip away
8. Dissolve
9. Thorns
10. eB tahT srewoP ehT
11. Sudden, I Was Alone
12. Blacktop
13. i saw before me, a bright red light, and silently i stood,
14. Waiting For Morning To Come


"You must not lose faith in humanity. Humanity is like an ocean; if a few drops of the ocean are dirty, the ocean does not become dirty."
M. Ghandi

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