Review

AT THE DAWN - Land In Sight12.04.2015

AT THE DAWN - Land In Sight

At The Dawn - Land In Sight

verfasst von Karla the Fox

Liebes Kreativteam in und um At the Dawn - Rüge kommt zuerst - euer Artwork für "Land In Sight": ein gezeichnetes Schiff, das im strömenden Regen allein übers weite, vom Unwetter gepeinigte Meer segelt - etwas anderes ist euch nicht eingefallen?!? Also wirklich, so werden die meisten potentiellen Fans/Kunden das Album im Shop überblättern mit dem Gedanken "hab ich schon mal gesehen, weiß nur nicht mehr wo".

Not cool. Dabei habt ihr so viel zu bieten. Schon das lateinische Intro mit italienischem Akzent ist um einiges interessanter und gelungener, als das bei vergleichbaren Versuchen geworden ist. Liegt daran, dass sich die typische Metal-Gitarre nicht lange zurückhält und gleich kräftig mitmischt. Im Anschluss folgt eben euer Opener "Through A Darkened Sky" mit größtenteils Doublebass, den man gerne noch weiter hätte zurückschrauben können - aber dafür mit einer Stimme, einer Gitarrenarbeit und einer Produktion, die ihres Gleichen suchen. Da ist Talent zu hören.

Für alle Leser: At The Dawn sind eine sechsköpfige Band aus Imola, Italien. Sie haben zwei Gitarristen und einen Keyboarder im Line-Up, was für den fetten Sound sorgen dürfte. Die Gitarristen heißen zufällig beide Michele und sind neben Falsetto-Könner Stefano De Marco meiner Meinung nach die Stars der Formation. Heißt nicht, der Rest macht es nicht so genauso gut, nur stechen hier klischeemäßig eben Sänger und Saitenhexer heraus. Keyboarder Marco Iaffaldano bildet mit seinem Instrument die unausweichliche Basis. Ziemlich cool ist, dass immer wieder vereinzelt fremde Soundeffekte eingebaut werden. Wer suche, der finde. Als "Symphonic Heavy Metal" haben At The Dawn ihren Stil angegeben und das ist er auch, aber dennoch ein bisschen thrashiger als die hochgestochenen Produktionen, die zumeist unter diesem Label laufen, vor allem wenn es weibliche Sängerinnen beinhaltet.

Mir gefällt an Land In Sight, neben der Betonung auf den zwar über-genutzten aber immer wieder intensiven Thematiken der See, dass es mehr als nur eine Ballade gibt und man sich nicht vor Ruhe scheut. Also entweder sind At The Dawn die einzige Band, die trotz Double-Bass-Schlagzeug Ruhe verbreiten kann, oder dieses Gimmick ist tatsächlich etwas Fehl am Platz. Keine Ahnung, aber man nehme mal den Anfang von "Siren Call" (auch kein kreativer Name, ich weiß): so eine Intensität würde man mit dem schnellen Beat vollkommen kaputt machen. So ist es ein kleiner Traum von Symphonischem Metal, aufgehübscht durch eine weibliche bezirzende Stimme.

Es handelt sich um Letizia Chiozzi, die als Gast agiert. Stefanos Stimme geht in diesem kleinen Highlight so wie bei "The Offense" runter wie warmer Honig. Wenn ich irgendwo repeat drücken würde, dann bei diesem Song. Allein das Solo gegen Ende. Keine Neuerfindung des Rads, dafür mit einer Wirkung, die von oben bis unten nur angenehm ist.

Die Musiker sammeln zur Zeit von überall Referenzen ein, die Homepage wird gebaut, da kommt noch einiges; sie stechen gerade erst in See. Wenn sie jetzt noch einen anderen Graphiker engagieren (auch z.B. das Titelbild ihrer Facebook Page), dann kann da echt was draus werden was um die sieben Weltmeere segeln könnte.

Ach, hatte ich erwähnt, dass irgendjemand, der im Studio gestanden hatte, auch die Streicher und das Piano beherrschen muss ("Ouverture", "The Offense",...)? Nein? Das wisst ihr es jetzt. Ein Tipp also für alle die, die sich noch an Musik im klassischen Sinne erfreuen können.  
 

Alle CD Reviews

Treffer 1 bis 200 von 1057