Review

ALICE COOPER - Paranormal21.07.2017

ALICE COOPER - Paranormal

ALICE COOPER - Paranormal

verfasst von Karla the Fox

Alice Cooper macht auf seine alten Tage noch einmal ein neues Album! Mit Spannung sitze ich als Fan, der sich auch schon an einem seiner Liveshows, die mehr einem Theater gleichen als einem Konzert, erfreuen durfte in meiner kleinen Hütte und warte auf den Release. Kalle war so lieb, mir den Link zum Stream vorab zu schicken (VÖ ist am 26.07.). Doch er warnt mich gleich vor: das Album sei sehr langweilig. Ich möchte es ihm erst gar nicht glauben. Wie kann Alice Cooper, ein wahrer Magier der Unterhaltungskunst, etwas Langweiliges produzieren? Die Antwort ist schnell gefunden: Aus dem einst so treibenden Gruselsound wurde weichgewaschene Amerikanische Rockmusik in Rente.

"Paranormal", der Titelsong am Anfang, hat immerhin noch ein für Spannung sorgendes Intro und sehr schöne Beats und Melodien. Auch die Stimme von Mr. Cooper ist weitaus besser bei Kräften geblieben als die vieler gleichaltriger Kollegen. Doch von vorne herein merkt man, dass etwas fehlt. Denn der schöne Einstiegssong steigert sich am Ende nicht, im Gegenteil, er klingt sehr leise und zurückhaltend aus. Ein Kunstgriff um die Fans zu überraschen? Wir hören weiter. Doch schon der nächste Track "Dead Flies" beweist, dass es auf dieser Scheibe nicht viel Wumms geben wird. Der Gesang gibt den Anschein von Power, doch der Song insgesamt könnte auch die härtere Interpretation einer Swing oder Rock'n'Roll Band aus den 40ern / 50ern sein. Gewagter Vergleich, doch irgendwie erinnerte es mich daran. Die Solos klingen ebenfalls eher nach Jazz oder Jam Session als Schockrocker. Indie passt sogar besser als Metal. Was ist da los? Manch einer wie "Fireball" fällt aus der Reihe, langweilt aber schnell durch Monotonie. Bei "Paranoiac Personality" denkt man direkt, das doch gerade eben erst gehört zu haben. Und so geht es weiter mit swingenden on-the-road-songs, die sich immer Mühe geben, etwas rüber zu bringen aber doch nicht so wirklich überzeugen wollen. Zu viel Storytelling, zu wenig Energie. Eine schöne, klare Stimme, das muss man Alice lassen. Auch gute Musiker, doch sie wiederholen sich in ihren Verläufen allzu oft. Ich hätte ihnen gerne ein paar elektronische Spielerein erlaubt, um von der Indie-Jazz-Jam-Geschichte wegzukommen. "Holy Water" gehört in meinen Augen wieder zu einem der stärkeren Stücke und auch "Genuine American Girl" hat ein nette Selbstironie und süße Melodie, die ich gerne im Ohr behalte. Vom Urvater der grandiosen Selbstinszenierung hätte ich aber mehr erwartet.

Etwa nach der Hälfte des Albums geht es über zu bereits bekannten Songs und Live Aufnahmen und auch ein paar Stücke mit der originalen, ersten Alice Cooper Band. Das Feeling wird sofort etwas besser. Doch die Tracks sind scheinbar so gemastert, dass sie sich nicht allzu sehr von dem vorherigen abheben. Und somit sind es fast nur "Feed My Frankstein" und der "School's Out For Summer"-Abschluss, die die Füße dann doch noch zum Wippen bringen. Sehr schade, vor allem, da ungewiss ist, wie lange Alice Cooper noch weiter neues Material liefern wird. Wenn er weg vom Schock und hin zum Prog will, dann soll er das nächstes Mal bitte ganz klar ankündigen. Schützt vor Überraschungen. Ich werde dennoch nicht aufhören, Cooper Fan zu sein.

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