Konflikt - Sapere Aude
Eine Rock-Band aus den ehemaligen "Ostblock-Ländern"?
Durch meine Tätigkeit beim Magazin "Melodie & Rhythmus" kannte ich bisher
nur Omega, die "Rolling Stones" des Ostens. Bei mir haftet dadurch ein fader Beigeschmack an. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mit Scheuklappen durch die Musik-Welt gehe, aber leider verbinde ich solche Assoziationen mit schlechten Beispielen. Ich lasse mich aber immer gerne vom Gegenteil überzeugen.
Der erste Track "Intro- Tolerancia" mutet etwas eigenartig an, hört man doch
Indiander-Gesänge. Doch dann geht es rockig los. Doch hier ist schon der erste Twist zu hören: Denkt der geneigte Zuhörer ob der Indiandergesänge Anfangs sicher an Musik aus der Southern-Rock-Ecke, Marke Lynyrd Skynyrd oder Black Label Society, kommt einen gleich Musik um die Ohren, die jedem die Herkunft dieser Band klarmacht. Gleich bei den ersten Tönen und "NaNaNa"-Gesängen denkt man an Länder wie Tschechei, Slowakei oder Russland. Aber, die Slowakei hat hier gewonnen. Musikalisch erinnert das an ein Trinklied, was auch somit seinen Zweck erfüllt und mich - bevor ich
weiterschreibe - erstmal zum Kühlschrank gehen lässt um ein kühles Blondes
zu holen.
Als zweiten Track haben wir "Mrtva Planeta II". Schöner Rocker, der gleich
ins Bein geht. Erinnert etwas an In Extremo, aber auch nur, weil die
phasenweise ja auch ihre rockigen Lieder mit exotischen Sprachen verbinden. Es ist schon ungewohnt, wenn das Ohr hauptsächlich an deutsche oder englische Texte gewöhnt ist, einen Song auf slowakisch zu hören, aber Musik ist ja bekanntlich völkerverbindend. Und dieser Song ist geil - Text verstanden oder nicht?: Drauf geschissen, denn der Song ist eine Party-Granate höchster Qualität.
Mit "Rebel" geht es weiter: Schönes Bass-Drum-Intro, dass immer wieder durch kurze "Gitarren-Einsprengsel" unterbrochen wird. Dieser Song ist schön funkig gehalten, was ein 70er-Jahre Feeling vermittelt. Diesen Song könnte ich gleich nochmal hören. Diese Musik macht einfach Spaß. "Slepa Viera" heißt der nächste Song. Hier geben die Gitarren richtig Gas. Phasenweise muss man befürchten, dass der Sänger nicht hinterher kommt, aber alles Gut! Er packt alles mit Bravour. Auch dieser Song ist direkt für die Tanzfläche geschrieben worden. Geiles Solo und coole Bassläufe. So muss guter Rock sein. Highlight! "Marosko - Cesta Na Koncert"! Jawollo! Tempo wird beibehalten. Die Gitarren riffen gut nach vorne. Ergo heißt es hier natürlich: Die Party geht weiter. Gleich das nächste Highlight hinterher. So muss das sein. Der Gesang und die Background-Chöre geben ihr Übriges dazu um den Song zum Gute-Laune-Rocker zu machen.
Als nächstes kommt "Vzor #1", was auch immer dass heißen soll! Aber egal.
Ich bin ja net hier um über Sinn und Unsinn von Songtiteln zu
philosophieren, sondern um das Ergebnis zu bewerten. Und das is wie die
vorigen Titel sehr geil. Konflikt sehen es ja auch gar nicht ein, dem Nacken
mal ne Pause zu gönnen! Nein, warum auch? Es geht also schnell weiter.
Schöner Rocker. Wat soll ich sagen? Ein guter Song ist ein guter Song ist
ein guter Song.
Und weil's so schön war, und der erste Track so gut abging, folgt gleich die
Fortsetzung "Vzor #2" und die ist... so total anders!
Hier haben wir den ruhigen Track, der uns ausruhen lässt und die Gedanken
nach Russland lenkt. So Zeit zum Bier ansetzen Proooss... Verdammt!
Komme doch nicht dazu, denn das anfänglich ruhige Volkslied baut sich
schnell zum Party-Polka-Rock auf, der einem auch wieder keine Luft zum atmen lässt. Kommt gut. So, kurz n Schluck trinken, auch wenn "Moja Cesta" ruhig startet. Bei dieser Band weiß man nie! So und nu? Ich hab Recht gehabt. Diese Band nutzt anscheinend nur ihre kurzen ruhigen Intros zum Luftholen, denn auch dieser Song wird durch die Gitarren und ihre Rhythmusfraktion nach vorne gepeitscht. Ein Affentempo, was die Jungs hier an den Tag legen. Macht wieder Laune und treibt den Schweiß auf die Stirn.
"Laska Z Parku" folgt nun und es startet gleich fett. Fette Gitarren, fetter
Rhythmus, der, man lies und staune, dann ruhig wird und zum ländlichen
Volkslied anmutet. Aber ich bin eher vorsichtig und halte mich ?tanzbereit?
es geht bestimmt gleich wieder schnell weiter. Aber im Moment bleibt es ruhig. Der Bass treibt das Tempo ruhig voran. Zeit zum Bier trinken. Yesss!
Aber so ein Song musste jetzt auch einfach kommen. Aber gut, nach knapp der Hälfte des Songs darf wieder gerifft werden. Dieser Part hat sogar was von alten Metallica, so herrlich wird die Gitarre gerifft. Schön schön!
Macht doch was Ihr wollt! Ich bin eh nu durchgeschwitzt und habe meine
Hoffnung auf einen ruhigen Song aufgegeben! Da kann mit "Zly Zart" kommen was will. Ich feier jetzt ab, so! Und es geht auch gleich fett los. Ein geiles Riff donnert los! Hammer-Song, der wird echt schnell zum absoluten Highlight des Albums! Saugeil. Schnell, hart und melodisch. Es folgt "Neverte Politikom". Musikalisch erinnert das - obwohl wie immer rockig und schnell gehalten - irgendwie an Weihnachten. Man weiß es nicht worum es da im Text geht, vielleicht singen die Jungs ja vom Weihnachtsmann, der besoffen vom Dach fällt. Vielleicht singen sie aber nur Kochrezepte vor! Man weiß es nicht - zumindest wenn man dieser Sprache nicht mächtig is! Aber es ist schnell, es ist rockig, es ist gut. Was soll ich noch weiter dazu sagen?
"Priatelia" ist der letzte Song des Albums. Ja nee, is klar! Ausgerechnet
zum letzten Song stimmen Konflikt ruhige Töne an! Soll etwa zum Schluss die
Ballade folgen? Natürlich nicht! Konflikt ziehen ihr Ding konsequent durch
und donnern uns wieder ein geiles Riff um die Ohren, das schnell nach vorne
prescht! Nur zwischendurch werden sie kurz etwas ruhiger, aber auch nur um danach wieder loszulegen. Cool wäre zwar ne Ballade gewesen, aber eine Kinderspieluhr zum Ausklang zu nehmen ist auch sehr geil.
Fazit:
Konflikt - Sapere Aude! 12 Songs! 12 Knaller! Hier sitzt jeder Song. Wer
dieses Album nicht ab sofort auf allen Partys dieser Rock-Welt dabei hat,
hat keine Ahnung von gut gemachten Party-Rock. Die Sprache ist hier nebensächlich. Dass man mit exotischen Sprachen in den Liedern durchaus Erfolge feiern kann können internationale Top Acts wie Dir En Grey (Japan), Finntroll (Finnland) oder natürlich auch Eros Ramazotti (Italien) belegen.
Hier donnern einem die Riffs in Rekordgeschwindigkeit um die Ohren, dass es
eine wahre Freude ist. Besorgt Euch das Album und feiert ordentlich ab! Und trinkt Euer Bier vorher, denn mittendrin hab Ihr dafür keine Luft.
Bis dahin
Rock On!
Pat St. James