CD des Monats

Monat August: Boykott - Plan B 06.09.2011

Boykott - Plan B

 

Puh, hier stellt mich unser lieber Kalle vor eine harte Prüfung. Wer mich kennt weiß, wie ich zu Deutschrock (oder Neu-Deutsch: Street-Rock, oder auch Rotz-Rock) stehe. Ja, ich habe früher Onkelz gehört und war auch bei mehreren Konzerten undhöre ab und zu auch heute noch Onkelz.

Ja, ich fand das erste Weidner-Album richtig klasse. Und nein, ich finde Bands wie Frei.Wild NICHT gut. Warum? Weil sie einfach die bequeme Situation nutzen, dass die Onkelz nichtmehr da sind, nichts eigenes fabrizieren und einfach dummdreist kopieren. Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Kopisten. Es gibt davongute (wie z.B. Airbourne) aber auch Grottenschlechte (wie z.B. Frei.Wild). Boykott gehören ? überraschenderweise ? zu ersteren. Sie kopieren zwar aufder einen Seite die Onkelz, versuchen aber auch eigenes mit zu übernehmen(wie z.B. Wilde Jungs, die auch gut sind).

So, nun genug von meiner täglichen Frei.Wild / Deutschrock-Hasspredigt und das Album rein gemacht: Zuerst wird man in eine Art Hörspiel versetzt, was etwas irritiert, jedoch nach wenigen Sekunden hört man die Gitarre und Letzte Grüße geht richtiglos. Deutscher Rotzrock der natürlich die Referenz bei den Onkelz sucht und sich kleine Anspielungen auf Frei.Wild nicht verkneifen kann (Zitat: ?? im Land der Vollidioten ihre eigene Fahne hissen.?). Der Song geht gut ab undrockt ordentlich, nicht spektakulär, aber ein guter Album-Start. In Gottes Namen ist der nächste Track und donnert gut los. Ich bin überrascht. Diese Thematik hat man zwar auch schon von drölfzig Bands gehört, ergo wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber die Hauptsache ist, dass der Song rockt. Und das tut er definitiv. Geiler Rocker in bester Tradition zu Songs wie Heilige Lieder.

Hormone heißt der nächste Song. Hier hätte ich eigentlich einen Party-Rockerder Marke Girls, Girls, Girls erwartet, dafür ist dieser Song aber zudüster, bzw. zu schwer. Das macht ihn nicht schlecht, denn er geht gut geradeaus. Ein gesunder Pogo wird daraus schon entstehen. Du (Selbst-Mit-Leid) beginnt interessant mit einem sog. Zwiegespräch. Der Song stellt sich schon schnell als Highlight heraus. Schön schnell und düster. Gefällt mir. Mit Warten haben wir nun auch die obligatorische Ballade, die erst akustisch startet dann aber das Tempo etwas anzieht und zum Schluss hin nochmal gut abgeht. Der nächste Track, das so betitelte HC-Master ist ein kurzes instrumentales Intermezzo, dass sich übergangslos in den nächsten Titel In zwei Hälften einfügt. Auch ein geiler Rocker, der geile Breaks zu bieten hat. Musikalisch bleiben die Vorbilder klar, allerdings schleicht sich hier eine Prise Psychopunch ein. Der Fuß wippt wohlwollend im Takt mit.

Was Gestern war (ist Morgen nicht mehr da) heißt der folgende Track. Eine geile Halb-Ballade. Der Wechsel zwischen akustischen und ?harten? Parts kommt gut. Ohne Kurs kein Ziel. Die ?Moral-Peitsche? wird auch hier munter geschwungen. Party-Rocker der klassischen Sorte, der bestimmt auch Live abgeht. Ein kleines bisschen Subkultur. Musikalisch geht der Song gut ab, ist mir jetzt aber textlich, wie musikalisch zu sehr Punk. Den Fans wird es sicherlich gefallen, aber mir is das zu platt, sorry. Ein verschenkter Punkt Durstige Männer. Hey, wer hat ?Auf gute Freunde? rein gemacht? Musikalisch geht es definitiv in diese Richtung. Textlich wird tief in derMänner-Klischee-Kiste gewühlt (Bier, Weiber, Fußball, etc.). Da gewinnt schon mal jemand nicht den Innovativ-Keks, muss aber auch nicht, wenn man hier Party machen kann. Kann man?. Prost!

Zum Schluss haben wir noch den Titel-Track Plan B. Beginnt wie der Anfang des Albums ? mit ?nem kleinen Hörspiel. Aber diesmal rockt es schneller los. Man merkt schnell: Boykott wollen den viel geliebten Plan B nicht anfassen, sondern gehen auch beim letzten Song auf Nummer sicher. Das ist jetzt nicht schlecht und auch für den Stil dieser Band ratsam, aber vielleicht hätte man auch etwas experimentieren können und den Song etwas anders rüberbringen können, um die Hörer zu überraschen und einen Ausblick auf einen möglichen ?Plan B? zu geben. So bleibt alles beim Alten und man kann getrost weiter Party machen.

Fazit: Boykott orientieren sich ? natürlich ? an den Onkelz. Aaaaaber, sie orientieren sich vor allem viel an Stephan Weidners ersten Solo-Ausflug. Und das ist ein Punkt, der mir sehr gefällt, da ich ja anfangs erwähnte, dass ich dieses Album sehr mag. Boykott erfinden das Rad nicht neu und gewinnen auch nicht den von mir erfundenen Innovativ-Keks, aber für alltägliche Sachen wie Autofahren, Party und Haushalt machen ist dieses Album sehr gut geeignet und kann durchaus empfohlen werden. Eine Flasche Bier in der einen Hand, im anderen Arm eine Frau ? ums Klischeemäßig zu halten ? und die Platte macht das, was sie soll, nämlich Spaß! 

 

Rock on!

Pat St. James